Neue Instruktionen vom Innenminister Taliban-Polizei soll weder foltern noch beleidigen

Der Innenminister der Taliban hat für Polizisten in Afghanistan nach mehreren tödlichen Zwischenfällen neue Regeln aufgestellt. Sie werden angehalten, die Menschen künftig besser zu behandeln.
Neue afghanische Polizisten bei der Ausbildung

Neue afghanische Polizisten bei der Ausbildung

Foto: JAVED TANVEER / AFP

Es klingt selbstverständlich, doch Taliban-Polizisten in Afghanistan mussten offenbar besonders darauf hingewiesen werden: Sie sollen die Menschen im Land gut behandeln und nicht foltern, belästigen oder beleidigen. Das geht aus neuen Richtlinien des Innenministers für die Polizei hervor. Die Taliban reagieren damit offenbar auf mehrere Zwischenfälle mit Todesopfern in jüngster Zeit.

Der Kabuler Polizeisprecher Chalid Sadran veröffentlichte die neuen Regeln am späten Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. Sadran zufolge sollen die Anweisungen im ganzen Land gelten.

Polizisten sollen demnach nachts auch keine Häuser durchsuchen unter dem Vorwand, Verdächtige zu verfolgen. Sie sollten sich nur mit einem Gerichtsbeschluss in die Rechtsangelegenheiten der Menschen einmischen. Patrouillen dürften auf niemanden schießen, außer zur Verteidigung bei Angriffen. Jene, die gegen die Regeln verstießen, überstelle man an ein Militärgericht.

Zuletzt war es in Afghanistan zu mehreren Todesfällen gekommen, nachdem Taliban an Kontrollpunkten auf Autos geschossen hatten. Dabei kamen etwa ein Arzt, ein Kind und ein ehemaliger Regierungsbeamter ums Leben. Offiziell wurden die Gewaltakte damit gerechtfertigt, dass die Autos nicht angehalten hätten. Zuletzt waren in sozialen Medien vermehrt Videos mit Beschwerden über nächtliche Hausdurchsuchungen durch Taliban aufgetaucht.

Seit der Machtübernahme der Islamisten im vergangenen Jahr berichten zwar viele Afghaninnen und Afghanen, die Sicherheitslage habe sich im Vergleich zu den gewaltsamen Jahrzehnten davor spürbar verbessert – damals bekämpften die Taliban die alte Regierung aber auch noch. Gleichzeitig gibt es nun praktisch täglich Berichte über außergerichtliche Tötungen, Entführungen, willkürliche Festnahmen oder Tote bei Polizeieinsätzen.

Kürzlich verordneten die Taliban neue Verhaltensregeln und Kleidungsvorschriften für Ministerien des Landes. Demnach sind weibliche Regierungsangestellte nun verpflichtet, den Hidschab zu tragen. Sollten sie das nicht tun, sei ihnen zu kündigen, hieß es in einer Anordnung des Ministeriums für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters, die an mehrere Ministerien und Behörden ausgegeben wurde.

als/dpa