Beschnittene Pressefreiheit in Afghanistan Taliban stoppen Übertragung von US-Auslandssendern

Die Medienvielfalt nimmt seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan rasant ab. Nun sollen mehrere US-finanzierte Sender in dem Land blockiert werden – wegen angeblicher Beschwerden über das Programm.
Taliban auf einem gepanzerten Fahrzeug in der Stadt Herat (Foto vom 13. September)

Taliban auf einem gepanzerten Fahrzeug in der Stadt Herat (Foto vom 13. September)

Foto: Mohsen Karimi / AFP

Die radikalislamischen Taliban schränken die ohnehin extrem beschnittene Pressefreiheit in Afghanistan weiter ein. Wie der vom US-Kongress finanzierte Auslandssender Voice of America mitteilte , verhängten die Behörden in dem Land ein Sendeverbot für mehrere Radiofrequenzen.

Die Taliban verwiesen demnach zur Begründung auf Beschwerden, die sie über den Inhalt des Programms erhalten hätten. Betroffen sind demnach auch Frequenzen der ebenfalls US-finanzierten Sender Radio Free Europe und Radio Liberty.

Nähere Angaben zur Art der Beschwerden machten die Behörden nicht. Unklar ist laut Voice of America, ob das Verbot auch für andere Auslandssender gilt, die über ein ähnliches System Radiofrequenzen in dem Land nutzen. Die Sperre soll dem Sender zufolge ab dem heutigen Donnerstag in Kraft treten.

Die Taliban hatten im vergangenen Jahr nach dem Abzug des US-Militärs und der Nato-Partner die Macht in Afghanistan zurückerlangt. Anfangs hatten die radikalen Islamisten noch angekündigt, moderater zu regieren als bei ihrer vorherigen Herrschaft Ende der Neunzigerjahre. Inzwischen sind die Rechte von Mädchen und Frauen jedoch erneut massiv eingeschränkt.

Auch die Medienvielfalt hat unter den Taliban rasant abgenommen. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen hat Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban 40 Prozent seiner Medienkanäle und 60 Prozent seiner Journalistinnen und Journalisten verloren.

Mindestens 21 Tote nach Anschlag in Religionsschule

Zuletzt hat sich auch die Sicherheitslage verschlechtert, immer wieder kommt es zu Terrorattacken. Nach einem Anschlag in der nordafghanischen Provinzhauptstadt Aibak am Mittwoch ist die Zahl der Todesopfer auf 21 gestiegen. Mindestens 24 Personen seien verletzt worden, teilten die Provinzbehörden am Donnerstag mit.

Das Innenministerium der im Land regierenden Taliban hatte nach der Explosion in einer Religionsschule am Mittwoch zunächst von zehn Toten gesprochen. Örtliche Medien berichteten bereits über höhere Opferzahlen. Den Taliban zufolge soll sich die Explosion während eines Gebets ereignet haben. Ein Video, das nach dem Vorfall in sozialen Medien häufig geteilt wurde, zeigt herabgestürzte Deckenteile und Menschen, die aufgebracht zwischen mehreren leblosen Körpern umherlaufen. Das Video konnte nicht unabhängig überprüft werden. Zur genauen Ursache der Explosion haben sich die Behörden bislang nicht geäußert.

Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 gab es in Afghanistan mehrfach Anschläge, die die Terrormiliz »Islamischer Staat« für sich reklamierte. Diese tritt in Afghanistan seit 2015 mit Angriffen in Erscheinung und ist trotz ideologischer Nähe mit den Taliban verfeindet.

fek/AP/dpa
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