Afghanistan Taliban verbieten Rauschgiftanbau

Lange hielten die radikalislamischen Taliban ihre schützende Hand über die Drogenproduktion. Nun strebt das Regime die internationale Anerkennung an – und belegt den Mohnanbau mit harten Strafen.
Afghanische Mohnbauern bei der Ernte: Größter Produzent der Welt

Afghanische Mohnbauern bei der Ernte: Größter Produzent der Welt

Foto: Abdul Khaliq / AP

Die Taliban, die im August des vergangenen Jahres die Macht in Afghanistan übernahmen, galten lange als Hauptprofiteure des Drogengeschäfts ihres Landes. Afghanistan produziert mehr Opium als jeder andere Staat auf der Welt. Nun jedoch haben die Islamisten ein Verbot des Rauschgiftanbaus verkündet.

»Gemäß dem Erlass des obersten Führers des Islamischen Emirats Afghanistan werden alle Afghanen darüber informiert, dass der Anbau von Mohn ab sofort im ganzen Land streng verboten ist«, heißt es in einer Anordnung des obersten Taliban-Führers Haibatullah Akhundzada, die auf einer Pressekonferenz des Innenministeriums in Kabul bekannt gegeben wurde. »Verstößt jemand gegen diesen Erlass, wird die Ernte sofort vernichtet, und derjenige, der dagegen verstößt, wird gemäß der Scharia behandelt.«

Auch die Herstellung, der Gebrauch oder der Transport anderer Drogen ist gemäß dieser Anordnung verboten.

Kampf gegen Sanktionen

Die Opiumproduktion Afghanistans, die nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2017 einen Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar erreichte, hat in den vergangenen Monaten stark zugenommen und stand lange unter dem Schutz der Taliban. Nun jedoch bemühen sich die Islamisten um eine formelle Anerkennung ihrer Regierung in der internationalen Gemeinschaft, auch damit wirtschaftliche Sanktionen aufgehoben werden. Das Verbot des Drogenanbaus ist dabei ein Schritt.

Die Taliban hatten den Mohnanbau gegen Ende ihrer Herrschaft im Jahr 2000 schon einmal verboten, sahen sich jedoch mit einer Gegenreaktion der Bevölkerung konfrontiert, die zu einem beträchtlichen Teil vom Mohnanbau lebt. Das galt insbesondere für die vergangenen Monate, in denen das Land infolge der Sanktionen in eine katastrophale wirtschaftliche Lage schlitterte. Gerade in den südöstlichen Provinzen des Landes hätte Opium deutlich höhere Erträge als Weizen oder andere legale Anbaupflanzen gebracht, sagen Experten.

In Afghanistan ist die Wirtschaft seit der Machtübernahme der Taliban eingebrochen, die neuen Herrschenden scheinen kein Mittel zu finden, um selbst gegenzusteuern.

Neben dem wirtschaftlichen Niedergang leiden auch Frauen zunehmend unter dem Taliban-Regime. Das Recht von Mädchen auf Bildung wird immer mehr eingeschränkt, indem sie keinen Zugang zu Schulen erhalten. Neuerdings dürfen Frauen zudem nicht mehr ohne männlichen Begleiter fliegen und in Kabuler Freizeitparks haben die Herrschenden Geschlechtertrennung angeordnet.

rai/Reuters