Vormarsch der Taliban Afghanische Regierungstruppen planen Gegenoffensive

In Afghanistan rücken die Taliban vor. Die Regierung in Kabul kündigt Gegenanschläge an. Doch zuletzt flohen offenbar Hunderte ihrer Soldaten nach Gefechten mit den Islamisten nach Tadschikistan.
Afghanische Soldaten bei einer Operation im Februar

Afghanische Soldaten bei einer Operation im Februar

Foto: Sanaullah Seiam / dpa

Die afghanische Regierung plant eine Gegenoffensive im Norden des Landes, um den Vormarsch der radikalislamischen Taliban  zu stoppen. Die Regierungsarmee habe den Angriff der Taliban nicht erwartet, sagte der nationale Sicherheitsberater Hamdullah Mohib der russischen Nachrichtenagentur RIA am Montag. Aber sie würden »absolut, definitiv« Gegenangriffe starten. Mohib ist ein wichtiger Berater des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani.

Die Taliban rücken seit Wochen vor und haben bereits zahlreiche Bezirke unter ihre Kontrolle gebracht. Vorausgegangen war der Beginn des Abzuges ausländischer Truppen. Die USA planen, ihre Soldaten bis zum August vollständig zurückzuholen.

Der Stützpunkt Bagram wurde bereits an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Von dort aus waren in den 20 Jahren des Afghanistankrieges zahlreiche Angriffe gegen die Taliban und andere islamistische Gruppen gestartet worden. Die Bundeswehr, die in Kunduz im Norden stationiert war, hatte am 30. Juni ihren Einsatz in Afghanistan beendet und die letzten Soldaten abgezogen.

Von 1996 bis zu ihrem Sturz durch die US-geführten Truppen 2001 hatten die Taliban Afghanistan beherrscht und die Menschenrechte, vor allem die Rechte der Frauen, im Land massiv beschnitten. Die USA intervenierten an der Spitze eines Nato-Bündnisses kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan. Die Taliban-Regierung in Kabul hatte sich geweigert, gegen die al-Qaida von Osama Bin Laden, dem Drahtzieher der Anschläge in den USA, vorzugehen und wurden rasch gestürzt. Allerdings zogen sich ihre Kämpfer unter anderem ins Nachbarland Pakistan zurück und formierten sich neu.

Mehr als tausend afghanische Soldaten fliehen nach Tadschikistan

Seit geraumer Zeit sind die Taliban wieder auf dem Vormarsch. Hunderte afghanische Soldaten flohen jüngst nach Gefechten mit ihnen in das Nachbarland Tadschikistan. 1037 afghanische Soldaten hätten in der Nacht zum Montag die Grenze überquert, »um ihr Leben zu retten«, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Chovar aus einer Stellungnahme des Komitees für nationale Sicherheit in Tadschikistan. Die Taliban hätten »volle Kontrolle« über sechs Bezirke in der Provinz Badachschan an der Grenze zu Tadschikistan im Nordosten Afghanistans erlangt.

Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der Nato-Streitkräfte aus Afghanistan wieder die Macht übernehmen könnten. In den vergangenen Wochen hat die Gewalt in dem Land am Hindukusch stark zugenommen. Die Friedensgespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung kommen nicht voran.

Zuletzt war den Taliban in mehreren Offensiven die Eroberung Dutzender Bezirke gelungen, sie haben beinahe alle größeren Städte des Landes eingekreist. Vor zwei Wochen nahmen sie in Schir Chan Bandar den wichtigsten Grenzübergang von Afghanistan nach Tadschikistan ein.

asa/Reuters/AFP
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