Nach Machtübernahme in Afghanistan Taliban wollen wieder exekutieren und amputieren

Nach der Machtübernahme der Taliban war das die Frage: Wie sie es künftig mit Menschenrechten halten. Nun hat ein Minister angekündigt, es werde weiter hart bestraft. Vielleicht nicht in der Öffentlichkeit.
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Taliban beim Gebet

Foto: BULENT KILIC / AFP

Seit mehreren Wochen sind die radikalislamischen Taliban in Afghanistan wieder an der Macht – und beteuern, die Menschenrechte zu achten. Langsam wird deutlich, wie sie das meinen. Ein Gründungsmitglied der Taliban hat nun etwa in einem Interview angekündigt, es werde weiterhin Exekutionen und Handamputationen als Bestrafung geben. Möglicherweise aber nicht mehr in der Öffentlichkeit.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, das der »Guardian « zitiert, warnte Taliban-Mitglied Mullah Nooruddin Turabi andere Länder davor, sich in die neuen Regeln in Afghanistan einzumischen. »Alle haben uns für unsere Bestrafungen im Stadion kritisiert, aber wir haben nie etwas über ihre Bestrafungen gesagt«, erklärte er. Niemand werde ihnen ihre Gesetze vorschreiben. Die Taliban folgten dem Islam und würden ihre Regeln dementsprechend machen.

Turabi war während der Herrschaft der Taliban in den Neunzigern Justizminister und Chef des »Ministerium für die Förderung von Tugenden und Verhinderung von Lastern« – einer Moralpolizei, die in Afghanistan mit Gewalt die Rechte der Scharia durchsetzte. Es war etwa dafür verantwortlich, Menschen zum Gebet zu zwingen oder Männer dafür zu bestrafen, wenn sie keinen Bart trugen.

Bestrafungen wurden in dieser Zeit häufig öffentlich im Sportstadion vor zahlreichen Zuschauern ausgetragen. Verurteilte Mörder wurden dabei in der Regel von einem Mitglied der Familie des Opfers erschossen. Dieben wurde die Hand abgeschlagen.

»Das Abschneiden der Hände ist sehr wichtig für die Sicherheit«

Heute ist Turabi für Gefängnisse verantwortlich. Das Mitglied der Übergangsregierung der Taliban steht außerdem auf einer Uno-Sanktionsliste. »Das Abschneiden der Hände ist sehr wichtig für die Sicherheit«, sagte Turabi. Die Taliban würden aber noch Strategien entwickeln, wie es ausgeführt werden solle.

Amnesty International hatte zuletzt gezielte Menschenrechtsverletzungen durch die Taliban in Afghanistan beklagt. Die Islamisten seien dabei, die Errungenschaften der vergangenen 20 Jahre im Bereich der Menschenrechte zu demontieren, erklärte die Organisation.

mfh