Anschlag in Kandahar Tote und Verletzte nach Explosion in Moschee

Nur eine Woche nachdem im Norden Afghanistans 40 Menschen bei einem Anschlag der Terrormiliz »Islamischer Staat« gestorben waren, ist erneut ein Sprengsatz in einer Moschee detoniert. Wieder traf es ein schiitisches Gotteshaus.
Nach dem Anschlag in der schiitischen Moschee in Kandahar

Nach dem Anschlag in der schiitischen Moschee in Kandahar

Foto: Murteza Khaliqi / Anadolu / Getty Images

Erneuter Anschlag auf ein schiitisches Gotteshaus: Bei einer Explosion in einer Moschee im Süden Afghanistans sind nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörde mindestens 20 Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden. Spezialkräfte seien bereits in der Stadt Kandahar in der gleichnamigen Provinz vor Ort, um die Art der Detonation zu untersuchen, teilte ein Sprecher der militant-islamistischen Taliban am Freitag mit. Die Urheber würden zur Rechenschaft gezogen, hieß es weiter.

Örtlichen Medienberichten zufolge ereignete sich die Explosion während des Freitagsgebets. Über die Zahl der Opfer gab es zunächst keine Angaben. Auf Bildern in Medien und in sozialen Netzwerken waren auf dem Boden liegende Verletzte zu sehen. Bislang habe sich keine Gruppierung zu der Explosion bekannt, hieß es weiter.

Militärisch das Kommando übernommen

Erst am vergangenen Freitag waren bei einem Anschlag auf eine Moschee der schiitischen Minderheit in der Stadt Kunduz im Norden Afghanistans mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 140 verletzt worden. Die mit den herrschenden Taliban verfeindete sunnitische Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

Der IS hatte bereits in der Vergangenheit schiitische Muslime und deren Einrichtungen in Afghanistan angegriffen. Zu den Attacken des IS kam es vor allem in der Hauptstadt Kabul und in den östlichen Provinzen Nangarhar und Kunar. Zuletzt hatte der IS unter anderem einen verheerenden Anschlag Ende August am Flughafen Kabul  während der noch laufenden internationalen militärischen Evakuierungsmission mit nach Medienberichten fast 200 Toten für sich reklamiert.

Mitte August haben die Taliban die Macht in Afghanistan militärisch übernommen. Armee und Polizei zerfielen, Vertreter der Regierung flohen. Die Islamisten riefen eine Regierung aus. Diese sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter vor allem, für Sicherheit im Land zu sorgen. Experten fürchten einen Bürgerkrieg zwischen den neuen Machthabern und Terrormilizen.

Die Taliban gehen mithilfe von Spezialeinsatzkräften gegen den IS  vor. Die Truppen hätten bereits einige IS-Mitglieder getötet oder gefangengenommen, teilte ein Taliban-Sprecher mit. Die von den Taliban als »aufrührerische Kraft« bezeichnete Terrormiliz hat demnach in Afghanistan keine Hochburg mehr. Ziel sei es nun, die »unsichtbare« Präsenz des IS auf null zu reduzieren, hieß es weiter.

muk/dpa
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