Seit Jahresbeginn Uno registriert 100.000 Kriegsvertriebene in Afghanistan

Trotz geplanter Friedensgespräche eskaliert die Gewalt in Afghanistan. 2020 haben bereits Zehntausende Menschen ihre Dörfer und Städte verlassen und sind nun Flüchtlinge im eigenen Land.
Anschlag in Kabul: Der bewaffnete Konflikt zwischen Taliban und der Regierung hat sich trotz geplanter Friedensgespräche verschärft

Anschlag in Kabul: Der bewaffnete Konflikt zwischen Taliban und der Regierung hat sich trotz geplanter Friedensgespräche verschärft

Foto: STRINGER/ REUTERS

Die vergangenen Monate in Afghanistan waren von Gewalt geprägt. Nahezu jede Woche gab es Nachrichten über Anschläge mit Verletzten und Toten. Im Juni wurden innerhalb einer Woche fast 300 Sicherheitskräfte bei mehr als 400 Angriffen der Taliban getötet. Vor allem aber leidet die Zivilbevölkerung unter dem Konflikt.

Seit Jahresbeginn sind mehr als 100.000 Menschen innerhalb des Landes vor Kämpfen und Gefechten aus ihren Dörfern und Städten geflohen. Das geht aus Daten der Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) hervor. Rund die Hälfte davon sei vor Kämpfen aus den nördlichen Landesprovinzen geflohen.

Seit Januar gab es laut Uno Geflüchtete aus 30 der insgesamt 34 Provinzen Afghanistans. 59 Prozent davon seien Kinder im Alter unter 18 Jahren. Im vergangenen Jahr wurden rund 426.000 Binnenvertriebene registriert. Ob alle im Vorjahr erfassten Menschen weiter ohne Heimat sind, ist laut Uno unter anderem wegen des mangelnden Zugangs zu vielen umkämpften Provinzen schwer festzustellen. Afghanistan hat geschätzt mehr als 30 Millionen Einwohner.

Der bewaffnete Konflikt zwischen den militant-islamistischen Taliban und der afghanischen Regierung hat sich einem Bericht zufolge trotz geplanter Friedensgespräche verschärft. Experten erklären dies damit, dass beide Seiten ihre Verhandlungspositionen vor Verhandlungen durch militärische Erfolge verbessern wollen.

Taliban kündigen dreitägigen Waffenstillstand an

Für Freitag haben die Taliban eine dreitägige Feuerpause anlässlich des muslimischen Opferfestes Eid al-Adha verkündet. Die Regierung in Kabul begrüßte dies. Kurz zuvor hatte Präsident Ghani verkündet, dass ein vereinbarter Gefangenenaustausch mit den Taliban vor dem Abschluss stehe. Die Regierung werde in Kürze die restlichen der vereinbarten 5000 Taliban-Kämpfer aus der Haft entlassen, sagte Ghani.

Der Gefangenenaustausch ist Teil des Abkommens von Doha, auf das sich die USA und die Taliban im Februar verständigt hatten. Vorgesehen ist die Freilassung von 5000 Taliban-Gefangenen sowie tausend verschleppten afghanischen Soldaten. Vergangene Woche hatten die Taliban unter der Bedingung, dass der Gefangenenaustausch abgeschlossen wird, ihre Bereitschaft zu innerafghanischen Gesprächen nach Eid al-Adha erklärt.

Ziel des Abkommens von Doha ist die Regelung des US-Truppenabzugs in Afghanistan nach fast zwei Jahrzehnten Krieg. Im Gegenzug sollen die Taliban die Gewalt in Afghanistan reduzieren und Garantien dafür geben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Qaida und die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekämpfen.

asc/dpa
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