Einsätze gegen »Islamischen Staat«
US-Generalstabschef hält Zusammenarbeit mit Taliban für »möglich«
»Im Krieg tut man, was getan werden muss«: Der ranghöchste US-Soldat will eine weitere Kooperation mit den Taliban im Kampf gegen den IS nicht ausschließen. Zugleich nannte er die neuen Machthaber in Afghanistan »gewissenlos«.
US-Soldaten vor dem Abzug aus Afghanistan (am 30. August)
Foto: Sra Taylor Crul/U.S. Air / imago images/ZUMA Wire
Immer mehr Details sickerten zuletzt über die finalen Tage des US-Einsatzes in Afghanistan durch. Dabei berichtete der US-Sender CNN unter anderem, wie das US-Militär und die militanten Taliban kooperiert haben, um amerikanische Zivilisten zum Kabuler Flughafen zu schleusen.
Solche Kooperationen sind heikel, sicherheits- und auch innenpolitisch. Trotzdem wollte der US-Generalstabschef nun auch eine Zusammenarbeit mit den Taliban beim Kampf gegen die Miliz »Islamischer Staat« (IS) nicht ausschließen.
Mike Milley erklärte am Mittwoch (Ortszeit) im Pentagon, ein solcher Schritt sei »möglich«. Über das Flughafenabkommen mit den Taliban sagte er: »Im Krieg tut man, was getan werden muss, um die Risiken für die Mission zu reduzieren. Dabei geht es nicht immer darum, ob einem das gefällt.« In derselben Pressekonferenz bezeichnete er die Taliban als »gewissenlos«.
Das von CNN aufgedeckte Abkommen hatte US-Bürgerinnen und Bürgern eine sichere Passage zum Hamid Karzai International Airport ermöglicht. Die militanten Taliban sorgten dabei für die Eskorte von vorher definierten Sammelpunkten durch die Stadt, ehe die Ausländer am Flughafen von der US-Armee in Empfang genommen wurden.
Nach Angaben von CNN hatten US-Spezialeinheiten außerdem am Flughafen ein geheimes Tor eingerichtet, sodass die potenziell riskanten Menschenmengen an den offiziellen Toren gemieden werden können. Über eigens eingerichtete geheime »Callcenter« seien US-Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zu dem geheimen Zugang dirigiert worden.
Aus dieser, aus der Not geborenen, Zusammenarbeit zwischen den USA und den Taliban sollte man laut Verteidigungsminister Lloyd Austin aber keine voreiligen Schlüsse ziehen. Bei dem gemeinsamen Termin mit Milley im Pentagon sagte er: »Ich würde keine logischen Schritte für größere Themenkomplexe nahelegen.«
DER SPIEGEL
Eine weitere Zusammenarbeit mit den Taliban dürfte unter anderem bei den oppositionellen Republikanern für erhebliche Aufregung sorgen. Schon jetzt arbeiten sich diese am demokratischen Präsidenten Joe Biden und dessen Rückzug aus Afghanistan ab. Bei einem Terrorangriff durch einen Ableger des IS waren neben mehr als 180 Zivilisten am Kabuler Flughafen auch 13 US-Soldaten ums Leben gekommen.
Klare Ansage an die Terror-Hintermänner
Danach hatte Biden an die Täter gerichtet gesagt: »Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben. Wir werden euch jagen und euch bezahlen lassen.« Die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhielten, sagte Biden. Die USA würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen. »Wo auch immer sie sind«, betonte Biden.
Der US-Präsident hält es für im Interesse der Taliban, auch nach dem Abzug der amerikanischen Truppen weiter bei der Evakuierung von US-Bürgern und früheren afghanischen Ortskräften zu helfen. Die Taliban seien »keine guten Kerle«, aber sie hätten ein Interesse daran, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Die Taliban wollten den Flughafen in Kabul weiter offen halten, könnten dies aber nicht ohne Hilfe von außen leisten, sagte er. Zudem sei es auch in ihrem Sinne, die Wirtschaft nicht abstürzen zu lassen.