Afghanistan USA beginnen mit Evakuierung ihrer Botschaft in Kabul

Die radikalislamischen Taliban sind nun auch in der afghanischen Hauptstadt. Die Vereinigten Staaten bringen bereits ihr Botschaftspersonal in Sicherheit – und verbrennen sensible Dokumente.
Evakuierung im Eiltempo: Helikopter über der US-Botschaft in Kabul

Evakuierung im Eiltempo: Helikopter über der US-Botschaft in Kabul

Foto: Rahmat Gul / AP

Die USA haben mit der Evakuierung ihrer Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul begonnen, dies berichten die Nachrichtenagentur Reuters und AP unter Berufung auf Vertreter des Militärs. US-Präsident Biden kündigte an, statt der zunächst vorgesehenen 3000 würden rund 5000 US-Soldaten eingesetzt, um die Ausreise des Botschaftspersonals und ziviler Ortskräfte zu sichern. Er warnte die Taliban davor, die Mission zu behindern. Angriffe auf US-Interessen würden rasch und energisch beantwortet.

Die angekündigte Evakuierung war notwendig worden, da die Taliban immer näher an die Hauptstadt herangerückt waren und mittlerweile in Kabul angelangt sind. So haben Talibankämpfer mit Jalalabad zuletzt auch die vorletzte Großstadt des Landes erobert. Die Extremisten rückten nach Angaben eines Behördenvertreters kampflos in die Hauptstadt der Provinz Nangarhar im Osten des Landes ein. Einen Tag vorher hatten sie Masar-i-Scharif im Norden eingenommen, wo die Bundeswehr bis zu ihrem Abzug im Juni ihr Hauptquartier in dem Land hatte.

DER SPIEGEL

Rauch auf dem Dach der Botschaft

Die Vereinigten Staaten begannen wenige Stunden nach dem Fall von Jalalabad damit, Menschen mit Helikopterflügen in Sicherheit zu bringen. Auch gepanzerte Geländewagen von Diplomaten wurden dabei beobachtet, wie sie das Gebiet um die Botschaft verließen. Die US-Regierung bestätigte die Maßnahmen zunächst nicht offiziell.

Rauchschwaden, die vom Botschaftsdach aufstiegen, können offenbar auf Diplomaten zurückgeführt werden, die sensible Dokumente vernichteten, damit sie nicht den Taliban in die Hände fallen. Das bestätigten zwei US-Militärangehörige gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Auch Deutschland plant Evakuierung

Auch Deutschland will Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung und deutscher Hilfsorganisationen sowie einheimische Helfer möglichst schnell ausfliegen. Die Bundeswehr bereitet dazu einen Evakuierungseinsatz vor. Einsatzkräfte stünden bereit und würden schnellstmöglich in Marsch gesetzt, teilte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit.

Nach SPIEGEL-Infomationen sollen die Maschinen von Kabul nach Usbekistan fliegen, von dort aus sollen zivile Maschinen für Anschlussflüge genutzt werden. Zunächst sollen die rund 20 Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul ausgeflogen werden, sowie die Bundespolizisten, die zur Sicherung der Botschaft eingesetzt wurden.

rai/dpa/Reuters
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