Dringender Appell USA, Großbritannien und Australien warnen vor Terror am Flughafen Kabul

»Verlassen Sie sofort den Flughafen«: Mehrere Staaten haben ihre Landsleute vor einer akuten Gefahr an dem Verkehrsdrehkreuz in der afghanischen Hauptstadt gewarnt. Dort wächst offenbar das Anschlagsrisiko.
Soldaten bewachen einen Eingang am Flughafengelände in Kabul

Soldaten bewachen einen Eingang am Flughafengelände in Kabul

Foto: Victor Mancilla / UPI Photo / imago images

Die US-Botschaft in Kabul hat amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern aus Sicherheitsgründen dringend davon abgeraten, zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt zu kommen. Es gebe eine Gefahrenlage an den Toren des Flughafens, warnte die Botschaft in der Nacht zu Donnerstag.

»US-Bürger, die sich derzeit am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhalten, sollten das Gebiet sofort verlassen«, hieß es weiter. Ausnahmen sollten nur im Falle individueller Anweisungen von Vertretern der US-Regierung gemacht werden.

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Auch Australien und Großbritannien hatten sich in nahezu wortgleichen Botschaften an ihre Landsleute gewandt. Darin hieß es: »Begeben Sie sich nicht zum Hamid Karzai International Airport. Sollten Sie bereits im Bereich des Flughafens sein, suchen Sie einen sicheren Ort auf und warten Sie weitere Anweisungen ab.« Es sei von einer sehr hohen Gefahr eines Terroranschlags auszugehen, hieß es weiter. Eine ähnliche Warnung hatte auch die deutsche Botschaft in Kabul am Mittwoch herausgegeben.

Seit Tagen drängen sich an den Eingängen zum Flughafen Tausende Menschen, die wegen der Machtübernahme der Taliban auf einen Platz an Bord eines Evakuierungsflugzeugs hoffen. Mindestens acht Menschen starben bisher. »Wenn Sie Afghanistan sicher auf andere Weise verlassen können, sollten Sie das sofort tun«, hieß es auf der Website der britischen Regierung. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte, Afghanen sollten lieber »versuchen, zur Grenze zu kommen« , als auf einen der wenigen Plätze in den Flugzeugen zu hoffen.

Am Donnerstag soll die deutsche Mission enden

Mehrere westliche Staaten hatten die Einstellung ihrer Evakuierungsmissionen bis Donnerstag angekündigt, wenn die USA an einem endgültigen Abzug ihrer Truppen bis nächsten Dienstag festhalten würden. Belgien, Polen und Tschechien stellten bereits am Mittwoch ihre Rettungsflüge ein.

Nach SPIEGEL-Informationen soll am Donnerstag auch die letzte A400M-Maschine der Bundeswehr aus Kabul abheben. Grund ist die immer schlechter werdende Sicherheitslage am Flughafen, die es fast unmöglich macht, noch weitere Schutzbedürftige auszufliegen. Befürchtet wurden Terrorattacken der Miliz »Islamischer Staat« (IS), der es leicht möglich wäre, unter den vielen Ausreisewilligen eine Bombe zu zünden.

Fallschirmjäger und KSK-Soldaten reisen als Letzte aus

Deswegen konnten schon an diesem Mittwoch deutlich weniger Menschen in den Flughafen geholt werden, weil die internationalen Soldaten, darunter auch die in Kabul eingesetzten Deutschen, von den Gates abgezogen werden mussten. Auch Transporte von Ausreisewilligen mit Bussen aus der Stadt sind kaum mehr möglich, weil die Sammelpunkte inzwischen bekannt sind und dort wütende Mobs demonstrieren.

Als Letztes sollen die Fallschirmjäger und Mitglieder des Kommandos Spezialkräfte (KSK) am Donnerstag Afghanistan verlassen. Das KSK hatte in den vergangenen Tagen immer wieder erfolgreiche Operationen durchgeführt, bei denen kleinere Gruppen von besonders gefährdeten deutschen Staatsbürgern aus der Stadt in den Flughafen gelotst wurden.

Die Luftwaffe hatte mit ihren A400M-Maschinen bis Mittwochabend mit 34 Flügen 5193 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Darunter waren mehr als 3600 Afghanen, die meisten davon allerdings sind Afghanen mit einem deutschen Pass und nur wenige sogenannte Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder deutsche Entwicklungshilfeprojekte tätig waren.

jok/AFP