Truppenabzug USA wollen Zahl der Soldaten in Afghanistan auf unter 5000 kürzen

Bis Mitte Juni hatten die USA ihre Truppenstärke in Afghanistan laut dem Bundesverteidigungsministerium bereits auf 8600 Armeeangehörige reduziert. Nun sollen weitere Soldaten das Krisenland verlassen.
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan

US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan

Foto: Baz Ratner / REUTERS

Die USA haben Verbündete über eine weitere Truppenreduzierung des Nato-Einsatzes "Resolute Support" in Afghanistan informiert. Ein Vertreter der US-Regierung habe darüber unterrichtet, "dass die USA bis Ende November 2020 eine Truppenreduzierung in Afghanistan auf knapp unter 5000 Soldatinnen und Soldaten durchführen werden", teilten das Verteidigungsministerium und das Auswärtige Amt den zuständigen Obleuten im Bundestag mit.

Dies sei bereits inoffiziell im Juni 2020 gegenüber den Nato-Alliierten angekündigt worden. Die Unterrichtung lag der Deutschen Presse-Agentur vor. Bis Mitte Juni hatten die USA ihre Truppenstärke laut Verteidigungsministerium bereits auf 8600 Armeeangehörige reduziert.

Der Truppenabbau bleibe jedoch von der "Lage im Land" abhängig, erklärte das Pentagon. Auch werde er nach Konsultationen mit dem US-Kongress und in "direkter Koordination" mit den Nato-Partnern erfolgen.

Bundeswehr hält an "Resolute Support" fest

"Die kritischen Fähigkeiten der USA, sogenannte Enabler, stehen weiterhin zur Verfügung", heißt es in der Unterrichtung. Aus Sicht der Bundesregierung könne die Bundeswehr damit ihr Engagement im Norden des Landes ohne entscheidende Einschränkungen fortführen. Es bleibe notwendig, alle Schritte zur Zukunft von Resolute Support in einem gemeinsamen Entscheidungsprozess in der Nato zu diskutieren.

"Die Bundesregierung hält daran fest, dass eine weitere Truppenreduzierung von substanziellen Fortschritten im Friedensprozess abhängen sollte", so die Ministerien. "Dazu gehört auch, dass die Taliban die Gewalt reduzieren, sich gegen den internationalen Terrorismus stellen und in Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung treten."

Die radikalislamischen Taliban hatten zuvor am Montag ihre Bereitschaft zu Friedensgesprächen nach Abschluss eines Gefangenenaustauschs bekräftigt. Ein Taliban-Sprecher sagte, wenn die Freilassung von Gefangenen durch die afghanische Regierung abgeschlossen sei, seien die Taliban zu innerafghanischen Friedensgesprächen "innerhalb einer Woche" bereit.

Eine afghanische Stammesversammlung hatte am Wochenende die umstrittene Freilassung von 400 als besonders gefährlich geltenden Taliban-Kämpfern beschlossen. Am Montag unterzeichnete Präsident Ashraf Ghani dann ein Dekret, das diese Freilassungen anordnet, wie das Büro des Staatschefs mitteilte.

mfh/dpa
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