Innerhalb einer Woche Mehr als 26.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen

Deutschland, die USA, Großbritannien und Frankreich haben seit Machtübernahme der Taliban Tausende Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht – darunter viele Ortskräfte. Nun aber wird die Zeit knapp.
Eine aus Kabul ausgeflogene Frau fällt ihren Angehörigen am Flughafen von Washington, D.C., in die Arme

Eine aus Kabul ausgeflogene Frau fällt ihren Angehörigen am Flughafen von Washington, D.C., in die Arme

Foto: Jose Luis Magana / AP

Die westlichen Länder haben innerhalb der vergangenen Woche bereits mehr als 26.000 Menschen aus dem von den Taliban eingenommenen Kabul ausgeflogen. Knapp 3000 Schutzsuchende wurden von der Bundeswehr außer Landes geschafft, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Die USA flogen bislang rund 17.000 Menschen aus, Großbritannien mehr als 5700 und Frankreich mehr als 1000 Personen.

Der jüngste Flieger der Evakuierungsaktion der Bundeswehr landete am Montag mit 198 Schutzbedürftigen an Bord im usbekischen Taschkent. Fast gleichzeitig startete aus Taschkent zudem ein weiterer Militärtransporter des Typs A400M in Richtung Kabul, der neben Lebensmitteln auch Kleidung für die Menschen am Flughafen geladen hatte.

Unter den fast 3000 von der Bundeswehr Ausgeflogenen sind laut Auswärtigem Amt mehr als 1800 Afghaninnen und Afghanen. »Wir evakuieren so lange es geht so viele wie möglich aus Afghanistan«, hieß es in einem Tweet. Wie viele der evakuierten Afghanen sogenannte Ortskräfte der Bundeswehr waren, ist unklar. Einige von ihnen könnten auch mit Flugzeugen anderer Länder ausgeflogen worden sein.

Nur noch wenige »Tage oder Wochen«

Großbritannien hat seit der Machtübernahme der Taliban 5725 Menschen aus Kabul ausgeflogen, darunter mehr als 3100 ehemalige afghanische Ortskräfte und deren Angehörige, wie das britische Verteidigungsministerium bereits am Sonntagabend mitteilte. Unter den Ausgeflogenen seien neben den Afghanen diplomatisches Personal sowie Staatsbürger Großbritanniens und anderer Länder.

Frankreich brachte nach Regierungsangaben bislang »mehr als tausend Afghanen« in Sicherheit. Zudem seien »fast hundert französische Staatsbürger und rund 40 Bürger aus Partnerländern« seit Mitte August ausgeflogen worden, teilten das französische Außen- und Verteidigungsministerium am Montag in einer vorläufigen Aufstellung mit. Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte zuvor der Zeitung »Journal du Dimanche« gesagt, für das Ausfliegen der Menschen blieben nur noch wenige »Tage oder Wochen«.

DER SPIEGEL

Vor einer Woche hatten die militant-islamistischen Taliban Kabul erobert und die Macht übernommen. Seitdem fürchten Oppositionelle, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und auch Ortskräfte, die für westliche Staaten tätig waren, Racheaktionen. Viele Bürger befürchten, dass die Extremisten wieder ein islamisches »Emirat« errichten wollen und dabei mit drakonischen Strafen gegen Andersdenkende vorgehen.

USA halten am Abzug fest – Deutschland will bleiben

Die USA wollen ihre Truppen bis zum 31. August vollständig aus Afghanistan abziehen. Präsident Joe Biden sagte, er wolle am Enddatum festhalten, die Taliban drohten mit »Konsequenzen«, sollten die westlichen Staaten länger im Land bleiben. Ein Regierungssprecher in Berlin sagte hingegen, Deutschland wolle so lange evakuieren, wie es die Lage in Kabul zulasse.

Wie viele Ausländer und afghanische Unterstützer der Nato-Truppen noch in Sicherheit gebracht werden müssen, ist unklar. US-Präsident Joe Biden sprach zuletzt von etwa 50.000 bis 65.000 Helfern einschließlich ihrer Familien – allein auf US-Seite.

mrc/dpa/Reuters
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