BBC-Bericht Wie US-Spione Al-Qaida-Anführer Sawahiri fanden

Topterrorist Aiman al-Sawahiri wurde von einer US-Drohne getötet. Die BBC hat rekonstruiert, wie die Biden-Regierung im Stillen Jagd auf al-Qaidas Chefideologen gemacht hat – seine Frau spielte eine entscheidende Rolle.
Aiman al-Sawahiri: Al-Qaidas Chefideologe übernahm nach dem Tod von Osama Bin Laden die Führung der Terrororganisation

Aiman al-Sawahiri: Al-Qaidas Chefideologe übernahm nach dem Tod von Osama Bin Laden die Führung der Terrororganisation

Foto: Anonymous / dpa

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Terroristen des Netzwerks al-Qaida mit zwei Flugzeugen in das World Trade Center flogen, Tausende Menschen töteten und sich die USA zum Feind machten. Die gezielte Tötung des Al-Qaida Anführers Aiman al-Sawahiri zeigt nun: Die US-Rache an der Organisation mag in den Hintergrund getreten sein, vergessen ist sie jedoch nicht. Der britische Sender BBC  hat anhand von Hintergrundgesprächen mit hochrangigen Vertretern der US-Verwaltung rekonstruiert, wie US-Spione Sawahiri in Kabul entdeckten und töteten  – ein Jahr nach dem Abzug ihrer Truppen.

In dem Bericht heißt es, dass CIA-Offiziere bereits Anfang April Bidens Berater und dann den Präsidenten selbst über die Identifizierung eines Unterstützernetzwerks für den Al-Qaida-Führer und seine Familie informierten. Geheimdienstinformationen sollten zeigen, dass Sawahiri im wohlhabenden Kabuler Stadtteil Sherpur lebe. Dieser beherbergte vor einem Jahr noch ausländische Botschaften, nun haben sich offenbar hochrangige Taliban-Funktionäre in der Gegend angesiedelt.

Die Spione kamen Sawahiris Ehefrau auf die Schliche – trotz Täuschungsversuchen

Laut der BBC beobachteten US-Spione das Wohnhaus Sawahiris und entdeckten dabei auch eine Frau, die sie als dessen Ehefrau identifizierten. Sie solle zwar versucht haben, den Aufenthaltsort ihres Mannes zu verschleiern – gelungen ist ihr dies letztlich jedoch nicht. Die US-Geheimdienste observierten dem Bericht zufolge, dass Sawahiri anders als seine Frau das Haus zwar nie verlasse, sich aber regelmäßig auf dem Balkon aufhalte.

Am 1. Juli soll Biden hochrangige Beamte, darunter den Direktor der CIA und die Direktorin des Nationalen Sicherheitsdienstes, ins Weiße Haus eingeladen haben. Gemeinsam beugten sie sich demnach über ein von der CIA gebautes Modell von Sawahiris Wohnhaus und beratschlagten, wie die Risiken einer solchen Operation minimiert werden könnten. Danach soll der Präsident in den Landsitz Camp David geflogen sein.

Ein Juristenteam soll unterdessen die Rechtmäßigkeit eines Angriffs geprüft haben und zu dem Schluss gekommen sein, dass Sawahiri aufgrund »seiner anhaltenden Führungsrolle bei al-Qaida und seiner Beteiligung und operativen Unterstützung von Al-Qaida-Anschlägen« ein legitimes Ziel sei, schreibt die BBC. Am 25. Juli soll Biden den Angriff genehmigt haben.

Um 6.18 Uhr Ortszeit schlugen zwei von einer Drohne abgefeuerte Hellfire-Raketen auf dem Balkon von Sawahiris Haus ein und töteten den Al-Qaida-Führer. Mitglieder seiner Familie blieben nach Angaben des Geheimdienstes unversehrt.

Taliban wollten Tötung offenbar vertuschen

Die Taliban erklärten im lokalen Sender Tolo, die Raketen hätten ein leerstehendes Haus getroffen. Die Biden-Administration verkündete hingegen, dass schon kurz nach dem Anschlag Kämpfer des Haqqani-Netzwerks, eines extrem gewalttätigen Flügels der Taliban, Sawahiris Familie vom Ort des Geschehens verjagten und sich bemühten, seine Anwesenheit zu vertuschen.

Als ein BBC-Reporter am Montagmorgen das Gebäude erreichte, sei er von Taliban weggedrängt, mit Gewehren bedroht und darauf hingewiesen worden, dass es »nichts zu sehen« gäbe, heißt es in dem Bericht.

US-Beamte erklärten, dass »mehrere Geheimdienstinformationen« den Tod Sawahiris bestätigt hätten, betonten jedoch, dass sich kein amerikanisches Personal vor Ort in Kabul befinde. Was mit seiner Leiche passiert ist, bleibt unklar.

Aus der US-Regierung heißt es der BBC zufolge, man habe keine Anstrengungen unternommen, um die Leiche zu bergen. Nach dem Attentat auf Osama Bin Laden hatten die USA seine Leiche im Meer versenkt, damit sein Grab nicht zu einer Pilgerstätte für Islamisten werden könne.

muk
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