Ex-Agent Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte macht Russland für Litwinenko-Mord verantwortlich

Der Gerichtshof in Straßburg hat Russland den Mord am Ex-Geheimagenten Litwinenko zugerechnet – und seiner Witwe eine Entschädigung von 100.000 Euro zugesprochen. Moskau weist die Entscheidung zurück.
Litwinenko (rechts) im November 1998 in Russland: Der Ex-Agent wurde 2006 in London vergiftet

Litwinenko (rechts) im November 1998 in Russland: Der Ex-Agent wurde 2006 in London vergiftet

Foto: SERGEI KAPTILKIN / EPA

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte sieht Russland in der Verantwortung für den Mord am Ex-Agenten Alexander Litwinenko 2006 in London. Die beiden Männer, die Litwinenko mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet hatten, handelten dem Anschein nach im Auftrag oder unter Kontrolle der russischen Behörden, teilte das Straßburger Gericht mit. Da Russland sich weigere, interne Ermittlungsdokumente zu teilen, die das Gegenteil zeigen könnten, werde die Ermordung Litwinenkos Russland zugerechnet.

Litwinenko hatte bis Ende der 1990er-Jahre für die russischen Geheimdienste gearbeitet. Nachdem er öffentlich gemacht hatte, mit der Prüfung eines Mordanschlags auf einen russischen Geschäftsmann beauftragt worden zu sein, floh Litwinenko mit seiner Familie nach Großbritannien. 2006 wurde er dort von zwei Russen vergiftet – und starb wenig später im Krankenhaus.

Britische Behörden sahen die Verantwortung bei Russland. Moskau wies in der Vergangenheit die Beteiligung an dem Fall jedoch stets zurück.

Litwinenkos Witwe soll von Russland 100.000 Euro Entschädigung erhalten

Das Gericht befand nun, dass die beiden Männer, die Litwinenko das Gift verabreichten, keinen persönlichen Grund hatten, ihn zu töten. Ohne Unterstützung wären sie zudem nicht an das seltene Strahlengift gekommen. Außerdem habe Russland gegen das Recht auf Leben, das in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert ist, verstoßen.

Litwinenkos Witwe Marina, die vor das Straßburger Gericht gezogen war, soll von Russland 100.000 Euro Entschädigung erhalten.

Russland wies die Entscheidung zurück. Es lägen noch keine Ergebnisse der Untersuchung vor. Daher seien die Aussagen des Gerichts unbegründet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. »Es ist unwahrscheinlich, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte über Befugnisse und technologische Fähigkeiten verfügt, um Informationen in dieser Angelegenheit zu erhalten.«

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit Sitz im französischen Straßburg gehört zum Europarat. Gemeinsam setzen sich die von der Europäischen Union unabhängigen Organe für den Schutz der Menschenrechte in den 47 Mitgliedstaaten, darunter auch Russland, ein. Die Urteile des Gerichtshofs sind bindend.

asa/dpa
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