Proteste in Belarus Lukaschenko tritt demonstrativ mit Gewehr auf

Während auf den Straße von Minsk erneut Zehntausende protestieren, gibt sich Staatschef Lukaschenko kämpferisch: Videos zeigen, wie er mit Gewehr in der Hand in den Präsidentpalast zurückkehrt.
Präsidentenhubschrauber über Minsk: Demonstranten als "Ratten" bezeichnet

Präsidentenhubschrauber über Minsk: Demonstranten als "Ratten" bezeichnet

Foto: Dmitri Lovetsky / dpa

Nach den Massenprotesten in Minsk gegen Staatschef Alexander Lukaschenko ist ein Hubschrauber an seinem Präsidentenpalast gelandet. Das war auf mehreren Videos im Nachrichtenkanal Telegram am Sonntagabend zu sehen. Das Staatsfernsehen zeigte dort auch, wie Lukaschenko mit einer Waffe in der Hand und mit schusssicherer Weste einen Hubschrauber verließ und zum Palast ging.

Lukaschenkos Residenz liegt etwa zwei Kilometer von dem Ort entfernt, an dem die Opposition demonstrierte. In dem im Onlinedienst Telegram veröffentlichten Video der Präsidentschaft wird explizit auf die Weste und die automatische Waffe des Staatschefs verwiesen. Oppositionsnahe Quellen hoben hingegen hervor, dass in der Waffe kein Magazin gewesen sei.

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Staatsmedien zeigten am Sonntagabend einen Hubschrauberrundflug des Präsidenten, der die Demonstranten als "Ratten" bezeichnete. Zuvor war in sozialen Netzwerken spekuliert worden, ob Lukaschenko sich wegen der Proteste in Sicherheit bringen lasse. Starke Sicherheitskräfte schützten die Zufahrtsstraßen zum Palast mit Militärfahrzeugen.

In Minsk kam es am Sonntag zu einem neuen großen Protestzug gegen "Europas letzten Diktator". Die Menschen zogen mit Rufen wie "Hau ab!" und "Freiheit, Freiheit!" durch die Stadt. Es wurde vermutet, dass sich ein Teil der Menge auf den Palast zubewegen könnte. Dort versammelten sich auch Menschen.

Der seit 26 Jahren regierende Lukaschenko hatte sich bei der Präsidentenwahl am 9. August zum sechsten Mal in Folge mit 80 Prozent der Stimmen zum Sieger ausrufen lassen. Das Ergebnis gilt als gefälscht. Seither gibt es landesweit Proteste und Streiks gegen den 65-Jährigen. Lukaschenko hatte betont, notfalls die Armee zur Sicherung seiner Macht einzusetzen und selbst bis zum Tod zu kämpfen.

 

dab/dpa/AFP
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