Zwist bei US-Demokraten Abgeordnete Ocasio-Cortez attackiert eigene Partei

Sie mag die Wahl gewonnen haben, zufrieden ist sie nicht: Die US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez hat in einem Interview scharfe Kritik an ihrer Partei geübt. Der fehle es an Fortschrittswillen.
Alexandria Ocasio-Cortez im US-Repräsentantenhaus

Alexandria Ocasio-Cortez im US-Repräsentantenhaus

Foto: REUTERS/Yuri Gipas

Der Demokrat Joe Biden hat das Rennen ums Weiße Haus gewonnen – doch in seiner Partei herrscht alles andere als Einigkeit. Die linke Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez hat Bidens Team nun vorgeworfen, die Agenda der progressiven Parteijugend zu ignorieren. Das sei eine Missachtung derer, die Biden den Wahlsieg beschert hätten, sagte die "AOC" genannte Abgeordnete in einem Interview mit der "New York Times" .

Die 31-jährige Politikerin gehört zu den Nachwuchsstars der Demokraten. 2019 war die New Yorkerin mit puerto-ricanischen Wurzeln als jüngste Abgeordnete ins Repräsentantenhaus eingezogen. Den Sitz hat sie bei der jetzigen Wahl verteidigt. Ihr Wahlkampf war der zweitteuerste Einzelwahlkampf in den USA. Ocasio-Cortez sammelte 17,3 Millionen US-Dollar ein, ihr republikanischer Herausforderer John Cummings brachte es auf nur 9,6 Millionen US-Dollar.

AOC wirft Biden nun vor, sein Übergangsteam vor allem mit Mitgliedern aus dem Parteiestablishment zu bestücken, die Parteilinke sei außen vor. Dabei, so Ocasio-Cortez, seien es vor allem die "migrantischen jungen Aktivisten" in der Partei gewesen, "die die Wahlen in Nevada und Arizona entschieden haben". An Wählerinnen und Wähler dieser progressiven Jugend sei das ein falsches Signal: Es zeige, dass ihre Stimme am Ende doch nicht zählt.

"Extreme Feindschaft gegenüber allem, was nur nach Fortschritt riecht"

Die Demokratin gehört zum linken Flügel der Partei. Eine ihrer zentralen Forderungen ist eine allgemeine Krankenversicherung für alle Amerikanerinnen und Amerikaner. Sie war im vergangenen Jahr regelmäßig harten Attacken von Präsident Donald Trump und anderen Republikanern ausgesetzt.

Doch auch der Umgang innerhalb der Demokratischen Partei setze ihr zu, sagte sie im Interview mit der "New York Times". Der Stress, die Kämpfe und vor allem die internen Diffamierungen und Denunziationen hätten sie mürbe gemacht. Sie wisse nicht, wie lange sie noch in der Politik bleiben wolle, "es liegt an der fehlenden Unterstützung aus der Partei".

Vielen Kolleginnen und Kollegen wirft sie Inkompetenz vor, zu wenig hätten die Demokraten auf das Internet im Wahlkampf gesetzt. Ob die Demokraten die USA in den kommenden vier Jahren erneuern können, bezweifelt die Politikerin. "Nach außen gewinnen wir", so Ocasio-Cortez, "aber nach innen, da gibt es eine extreme Feindschaft gegenüber allem, was nur nach Fortschritt riecht."

mrc
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.