Reaktion auf SPIEGEL-Enthüllung Lawrow bestreitet Agentenbeteiligung an Nawalny-Anschlag

Russische Agenten verübten den Giftanschlag auf den Kremlkritiker Nawalny. Das geht aus Recherchen des SPIEGEL und seiner Partner hervor. Außenminister Lawrow weist eine Beteiligung des Geheimdienstes zurück und attackiert den Westen.
Russlands Außenminister Lawrow

Russlands Außenminister Lawrow

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Russian Foreign Ministry Press O/ imago images/ITAR-TASS

Mindestens acht Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB waren an dem Anschlag auf den Oppositionellen Alexej Nawalny beteiligt. Das ergaben Recherchen des SPIEGEL, der Rechercheplattform Bellingcat und weiterer Partner.  Der russische Außenminister Sergej Lawrow bestreitet eine Verwicklung des Dienstes in den Fall.

»All diese Meldungen sind lustig zu lesen«, sagte Lawrow am Mittwoch im kroatischen Zagreb. »Aber die Art und Weise, wie diese Nachricht präsentiert wurde, sagt nur eines: dass es unseren westlichen Partnern an jeglichen ethischen Standards fehlt.« Die Berichte belegten »mangelnde Fähigkeit für diplomatische Arbeit«, sagte Lawrow während seines Besuchs in Kroatiens Hauptstadt weiter. Zudem zeige sich bei den westlichen Ländern »ein Widerwillen, sich an internationale Rechtsnormen zu halten, wenn es um die Feststellung von Fakten geht«.

Bei den identifizierten Geheimdienstmitarbeitern handelt es sich um sechs ausführende Agenten und zwei mutmaßliche Führungskräfte. Nawalny war am 20. August auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Zwei Tage später wurde der 44-Jährige, noch im Koma liegend, zur Behandlung in die Berliner Universitätsklinik Charité gebracht.

Nach Angaben von drei europäischen Labors, deren Ergebnisse von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigt wurden, wurde Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Moskau bestreitet jede Beteiligung. Nawalny befindet sich immer noch in Deutschland, wo er sich von dem Anschlag erholt.

Deutsche Politiker hatten nach den Enthüllungen scharfe Reaktionen gefordert. Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff bezeichnete den Bericht dem SPIEGEL gegenüber als »Paukenschlag«, der beweise, »dass Russland nicht nur internationales Recht, sondern auch die eigene Verfassung bricht«. Damit bekämen die »schwerwiegenden Fragen im Fall Nawalny an den Kreml neue Dringlichkeit«, so der FDP-Vizefraktionschef. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Nils Schmid, sagte: »Diese Enthüllungen sind erschreckend, aber nicht überraschend. Sie entlarven die Schwäche eines Regimes, das den Mangel an Zukunftsperspektiven für das eigene Land durch Repression übertünchen will.«

als/AFP
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