Russischer Oppositioneller Nawalny wirft Gefängnispersonal Folter vor

Vertraute Alexej Nawalnys zeigen sich besorgt über den Gesundheitszustand des inhaftierten Kremlkritikers. Nawalny selbst wirft dem Gefängnispersonal derweil vor, ihn zu foltern.
Alexej Nawalny bei einem Gedenkmarsch für den Kremlkritiker Boris Nemzow (Archivbild)

Alexej Nawalny bei einem Gedenkmarsch für den Kremlkritiker Boris Nemzow (Archivbild)

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Pavel Golovkin / dpa

Der inhaftierte russische Oppositionelle Alexej Nawalny erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gefängniswärter in seinem Straflager. Er werde »durch Schlafentzug gefoltert«, teilte Nawalny in einer offiziellen Beschwerde, die auf seiner Website veröffentlicht wurde, mit. Nachts werde er achtmal geweckt.

Vertraute Nawalnys berichteten indes, der Gesundheitszustand des Kremlkritikers verschlechtere sich in der Haft des berüchtigten Straflagers IK-2 zunehmend. Nawalnys Anwältin Olga Michailowa hatte bereits am Mittwoch eine Verschlechterung von Nawalnys Gesundheitszustand gemeldet.

Der Oppositionspolitiker habe kürzlich über starke Rückenschmerzen geklagt und leide seit dieser Woche unter einem Taubheitsgefühl im Bein, sagte sie. »Sein rechtes Bein ist in einem entsetzlichen Zustand«, sagte sie in einem Video des Nachrichtenkanals Medusa-Live bei Telegram. Nawalny könne nichts mehr anfangen mit dem Bein.

Gefängnisbehörde: Zustand Nawalnys »zufriedenstellend«

Die russische Gefängnisbehörde erklärte am Donnerstag, Nawalny sei ärztlich untersucht worden. »Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse wurde sein Gesundheitszustand als stabil und zufriedenstellend bewertet.«

Nawalnys engster Mitarbeiter Leonid Wolkow zweifelte die Angaben der russischen Gefängnisbehörde jedoch an. Er befürchte, dass Nawalny auf der Krankenstation sei und »etwas sehr Schlimmes mit ihm« passiere, schrieb Wolkow auf Twitter. Die Anwälte des Oppositionellen durften das Straflager östlich von Moskau besuchen, nachdem ihnen am Mittwoch der Zugang verwehrt worden war.

Laut Michailowa wurde Nawalny in dem Haftlager offenbar untersucht. »Da wurde auch irgendein MRT gemacht«, sagte die Anwältin. Nawalny sei schließlich aber lediglich das Schmerzmittel Ibuprofen als Tablette und Salbe verschrieben worden, eine weitere Behandlung habe es nicht gegeben. »Was für ein fürchterlicher Horror«, hieß es in einem Kommentar von Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch bei Twitter.

Sarrazin: »Eindruck, dass Nawalnys Genesung revidiert werden soll«

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Manuel Sarrazin rief die Bundesregierung auf, sie müsse vom Kreml »volle Transparenz über Nawalnys Aufenthaltsort und Gesundheitszustand« einfordern. »Die Berichte über den Gesundheitszustand von Alexej Nawalny erfüllen uns mit großer Sorge. Man kann den Eindruck gewinnen, dass die teilweise Genesung nach der Nowitschok-Vergiftung revidiert werden soll.«

Nawalny, der im August Opfer eines Giftanschlags geworden war, hatte sich zeitweise in der Berliner Charité von der Attacke erholt. Anfang des Jahres war er nach Russland zurückgekehrt und im Februar in einem international heftig kritisierten Prozess zu mehreren Jahren Straflager verurteilt worden. Die russische Justiz wirft ihm vor, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen zu haben, während er sich in Deutschland von dem Anschlag erholte.

ssp/dpa/AFP/Reuters
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