Inhaftierter russischer Politiker Kremlkritiker Nawalny bekommt Menschenrechtspreis der EU

Russlands inhaftierter Oppositionsführer Alexej Nawalny erhält den mit 50.000 Euro dotierten Sacharow-Preis. Damit werde Nawalnys »immense Tapferkeit« gewürdigt, so EU-Parlamentspräsident Sassoli.
Russischer Oppositionspolitiker Alexej Nawalny

Russischer Oppositionspolitiker Alexej Nawalny

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Moscow City Court Press Service / dpa

Der angesehene Sacharow-Preis für Menschenrechte des Europaparlaments geht in diesem Jahr an den inhaftierten russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny. Das entschied das Europäische Parlament am Mittwoch in Straßburg. Die Auszeichnung soll am 15. Dezember überreicht werden.

»Er hat unermüdlich gegen die Korruption des Regimes von Wladimir Putin gekämpft. Dies kostete ihn seine Freiheit und fast sein Leben«, teilte EU-Parlamentspräsident David Sassoli mit. Mit dem heutigen Preis werde Nawalnys immense Tapferkeit gewürdigt.

Der Sacharow-Preis, benannt nach dem sowjetischen Physiker, Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Dmitrijewitsch Sacharow, ist mit 50.000 Euro dotiert. Nominiert für den diesjährigen Preis waren auch eine Gruppe afghanischer Frauen und die bolivianische ehemalige Übergangspräsidentin Jeanine Áñez, die in Haft sitzt.

Vergangenes Jahr wurde die Oppositionsbewegung in Belarus mit dem Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet. Erster Preisträger war 1988 der südafrikanische Freiheitskämpfer Nelson Mandela.

Nawalny verbüßt zweieinhalbjährige Haftstrafe

Der Kreml-Kritiker Nawalny ist seit Anfang des Jahres in einem Straflager rund hundert Kilometer östlich von Moskau inhaftiert. Er gilt als wichtigster Widersacher von Russlands Präsident Wladimir Putin.

Auf Nawalny war im August vergangenen Jahres ein Anschlag mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe verübt worden, den er nur knapp überlebte. Nawalny macht den Kreml für den Anschlag verantwortlich.

Nach seiner Behandlung in der Berliner Charité und der Rückkehr nach Russland nahmen die russischen Behörden Nawalny fest. Seitdem verbüßt er eine zweieinhalbjährige Haftstrafe, weil er Meldeauflagen aus einem früheren Strafverfahren nicht eingehalten haben soll. Das Urteil des russischen Gerichts steht als politisch motiviert in der Kritik.

anr/AP/dpa/Reuters
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