Inhaftierter Putin-Gegner Nawalny in Isolationszelle verlegt

Alexej Nawalny ist im russischen Straflager nach eigenen Angaben erneut in eine Einzelzelle gebracht worden. Grund sei angeblich, dass er für drei Sekunden gegen eine Anordnung verstoßen habe, so der Kremlkritiker.
Nawalny im Gefängnis (Videoaufnahme vom Mai 2022)

Nawalny im Gefängnis (Videoaufnahme vom Mai 2022)

Foto: EVGENIA NOVOZHENINA / REUTERS

Alexej Nawalny vermutet hinter der Entscheidung die politische Führung in Moskau: Der Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin ist nach eigenen Angaben im russischen Straflager in eine Isolationszelle verlegt worden.

Die Strafe werde offiziell damit begründet, dass er bei einem Gang durchs Lager entgegen einer Anordnung drei Sekunden lang die Hände nicht hinter dem Rücken gehalten habe, heißt es in einer Mitteilung, die Nawalny am Mittwoch auf Twitter veröffentlichen ließ.

Ein Grund für die Verlegung könnte auch sein, dass der 46-Jährige kürzlich die Gefängnisleitung mit der Gründung einer Gefangenengewerkschaft verärgerte.

Nawalny musste nach eigenen Angaben bereits vergangene Woche drei Tage in der 2,5x3 Meter kleinen Zelle verbringen – angeblich, weil er einen Knopf nicht vorschriftsmäßig zugeknöpft hatte. Dieses Mal soll er fünf Tage ausharren. »Hier sitze ich mal wieder in meinem höllischen Wandschrank mit einer Tasse und einem Buch«, schrieb der Kremlkritiker. »Das ist natürlich irgendwie langweilig. Ich glaube, ich muss lernen, wie man meditiert.«

Wegen angeblichen Betrugs sitzt Nawalny in der Strafkolonie 6 in Melechowo etwa 260 Kilometer nordöstlich von Moskau – unter besonders harten Haftbedingungen. Im Mai bestätigte ein Gericht die neunjährige Haftstrafe. International gilt er als politischer Gefangener.

Nawalny hatte sich in Deutschland von einem Giftanschlag im August 2020 erholt, war dann aber freiwillig nach Russland zurückgekehrt.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte kürzlich den inhaftierten Politiker gewürdigt. Der Fall zeige, dass auch schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine in Russland »Freiheit und Demokratie gefährdet« gewesen seien, sagte Scholz in seiner regelmäßigen Videobotschaft »Kanzler kompakt«. Jetzt jedoch sei dort »die Meinungsfreiheit noch viel mehr gefährdet«.

als/dpa
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