Vergifteter Kremlkritiker Nawalny dankt Ärzten der Charité

Der vergiftete Kremlkritiker Alexej Nawalny hat sich erneut aus dem Krankenhaus zu Wort gemeldet - und berichtet von seiner Genesung. Wenn er Treppen steige, zitterten ihm derzeit noch die Beine zittern.
Alexej Nawalny auf einer Demonstration in Moskau im Februar 2019

Alexej Nawalny auf einer Demonstration in Moskau im Februar 2019

Foto: Bloomberg / Bloomberg via Getty Images

Ein sichtlich geschwächter Mann auf einer Treppe: Er trägt ein schwarzes T-Shirt, graue Jogginghose, am Arm ein Pflaster und an den Händen blaue Gummihandschuhe. Es ist Alexej Nawalny, der sich da am Geländer festhält. Auf Instagram postete der vergiftete Kreml-Kritiker dieses Foto von sich und meldete sich erneut zu seinem Gesundheitszustand zu Wort.

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Der 44-Jährige dankt in der Nachricht den "brillanten Ärzten" der Berliner Charité, von denen er seit dem 22. August behandelt wird. Durch sie könne er wieder am modernen Leben teilhaben: Er werde zu jemandem, der wieder rasch Instagram nutze und "ohne nachzudenken versteht, wo ein Like hingehört". "Jetzt bin ich ein Kerl, bei dem die Beine zittern, wenn er die Treppen läuft", schrieb er passend zu dem Bild auf den Stufen.

Noch vor Kurzem aber habe er nicht einmal Menschen erkannt und nicht begriffen, wie das Reden geht. "Das hat mich zur Verzweiflung getrieben, weil ich ja im Grunde schon verstanden habe, was der Doktor will, aber ich wusste nicht, woher ich die Worte nehmen soll." Er habe einfach geschwiegen, weil er seine Verzweiflung nicht habe ausdrücken können.

"Sich selbst Wasser einschenken ist eine richtige Attraktion"

Alexej Nawalny

Nawalny geht nach eigener Darstellung noch von einem längeren Weg bis zu seiner Genesung aus. Es gebe noch viele Probleme zu lösen. Das Telefon fühle sich in der Hand an wie ein Stein. "Und sich selbst Wasser einschenken ist eine richtige Attraktion." Der Post erhielt innerhalb weniger Minuten mehr als 200.000 Likes.

Der bekannte Kritiker von Präsident Wladimir Putin war am 20. August auf einem innerrussischen Flug kollabiert. Die Piloten landeten daraufhin außerplanmäßig im sibirischen Omsk, wo er in der örtlichen Klinik behandelt wurde. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen.

Ein Speziallabor der Bundeswehr hatte festgestellt, dass Nawalny mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Labors in Frankreich und Schweden bestätigten laut Bundesregierung diesen Befund. Russische Ärzte hatten dagegen erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden. 

Das Gift war in den Siebzigerjahren von sowjetischen Wissenschaftlern entwickelt worden. Die Regierung in Moskau weist jede Schuld am Gesundheitszustand des prominenten Oppositionellen zurück. Nawalnys Vergiftung hat zu schweren diplomatischen Spannungen zwischen Berlin und Moskau geführt.

Nawalny will seiner Sprecherin zufolge nach einer Genesung in seine Heimat zurückkehren. "Es wurden noch nie andere Möglichkeiten in Betracht gezogen", hatte Kira Jarmysch bei Twitter geschrieben. Es sei seltsam, wenn jemand etwas anderes annehmen würde. Zuvor hatte die "New York Times" berichtet, dass Nawalny seine Rückkehrpläne den deutschen Behörden mitgeteilt habe.

kha/Reuters/dpa
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