Inhaftierter Kremlkritiker Litauen »tief besorgt« nach Nawalnys Verlegung an unbekannten Ort

Wohin wurde Alexej Nawalny gebracht? Der russische Oppositionelle wurde in ein unbekanntes Straflager verlegt. Litauens Regierung verlangt Aufklärung von Moskau.
Nawalny in seinem ehemaligen Gefängnis bei Moskau (Ausschnitt aus Video)

Nawalny in seinem ehemaligen Gefängnis bei Moskau (Ausschnitt aus Video)

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EVGENIA NOVOZHENINA / REUTERS

Litauen ist »tief besorgt«, weil der inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny in ein unbekanntes anderes Straflager gebracht wurde. »Wir fordern die Offenlegung von Informationen über den genauen Aufenthaltsort von Alexej Nawalny und über seinen Gesundheitszustand und seine schnellstmögliche Freilassung«, sagte Außenminister Gabrielius Landsbergis.

Nawalny war seit Anfang 2021 in einem Straflager rund hundert Kilometer östlich von Moskau inhaftiert. Am Dienstag wurde er Angaben seines Anwalts und seiner Mitarbeiter zufolge verlegt, doch die russischen Behörden gaben keine Informationen darüber, in welches Lager. Nawalnys Team zeigte sich äußerst besorgt um die Sicherheit und die Gesundheit des 46-jährigen, der vor zwei Jahren nur knapp einen Giftanschlag überlebte, für den er Russland verantwortlich macht.

Russlands Regierung äußerte sich nicht zum Aufenthaltsort des Oppositionellen. Auf die Frage, ob man die Sorgen von Nawalnys Team teile, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow laut Agentur Interfax lediglich: »Das teilt man nicht.« Nawalny war im März in einem weiteren umstrittenen Prozess verurteilt worden – zu nun insgesamt neun Jahren Straflager. Alle Verfahren gegen ihn stehen als politisch motiviert in der Kritik.

Er war im Januar 2021 nach seiner Rückkehr aus Berlin umgehend festgenommen worden. In Deutschland hatte er sich mehrere Monate lang von einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholt, für den er den Kreml verantwortlich macht. Nach Recherchen des SPIEGEL, der Plattform Bellingcat und anderer Partner waren mindestens acht Agenten des russischen Geheimdiensts FSB offenbar an dem Giftanschlag auf Nawalny beteiligt. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

Seit seiner Inhaftierung gehen die russischen Behörden massiv gegen kritische Stimmen und unabhängige Medien vor – insbesondere seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine. Nawalnys wichtigste Organisationen wurden verboten. Der Kremlkritiker selbst sowie einige seiner Mitstreiter wurden im Januar auf eine Liste der Behörden von »Terroristen und Extremisten« gesetzt.

als/dpa
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