Inhaftierter Kremlkritiker Nawalny muss im Gefängnis stundenlang unter Putin-Porträt sitzen

Erst sieben Stunden Nähen, dann auf einer Holzbank unter einem Porträt von Wladimir Putin sitzen: Russlands bekanntester Oppositioneller berichtet aus seinem Alltag im Straflager.
Alexej Nawalny ist während einer Gerichtsanhörung im Mai 2022 bei Video zugeschaltet

Alexej Nawalny ist während einer Gerichtsanhörung im Mai 2022 bei Video zugeschaltet

Foto:

IMAGO/Anton Denisov / IMAGO/SNA

Der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny muss nach eigenen Angaben in seinem neuen Gefängnis stundenlang unter einem Porträt des russischen Präsidenten Wladimir Putin sitzen. Er werde gezwungen, an fünf Tagen pro Woche jeweils sieben Stunden täglich zu nähen und anschließend unter dem Porträt auf einer Holzbank zu sitzen, schrieb Nawalny auf Facebook. Unterstützer des Inhaftierten bezeichneten seinen neuen Alltag als »Folter«.

Sogar am Sonntag, seinem freien Tag, müsse er zusammen mit anderen Gefangenen zehn Stunden lang auf einer Holzbank sitzen, schrieb Nawalny weiter. »Das nennt sich Erziehungsmaßnahme.«

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»Gefängnis im Gefängnis«

Nawalny war im Juni von einer Strafkolonie in Pokrow in eine andere Strafkolonie verlegt worden – seinen Verbündeten zufolge »eines der furchterregendsten Gefängnisse Russlands«. Der Kreml-Kritiker selbst hatte seine neue Haftanstalt als »Gefängnis im Gefängnis« bezeichnet und erklärt, von verurteilten Mördern umgeben zu sein. Um seine Gefängnisbaracke führe ein sechs Meter hoher Zaun herum.

Nawalny ist der prominenteste Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin und wurde durch die Enthüllung von Korruptionsfällen in Russland bekannt. Er war im Januar 2021 nach seiner Rückkehr aus Berlin umgehend festgenommen worden.

In Deutschland hatte er sich mehrere Monate lang von einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholt, für den er den Kreml verantwortlich macht. Nach Recherchen des SPIEGEL, der Plattform Bellingcat und anderer Partner waren mindestens acht Agenten des russischen Geheimdiensts FSB an dem Giftanschlag auf Nawalny beteiligt. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

Seit seiner Inhaftierung gehen die russischen Behörden massiv gegen kritische Stimmen und unabhängige Medien vor – insbesondere seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine. Nawalnys wichtigste Organisationen wurden verboten. Der Kremlkritiker selbst sowie einige seiner Mitstreiter wurden im Januar auf eine Liste der Behörden von »Terroristen und Extremisten« gesetzt

svs/AFP
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