Nawalny-Vergiftung Chemiewaffen-Behörde will Experten nach Moskau schicken

Die Chemiewaffen-Kontrollbehörde OPCW ist auf Moskaus Wunsch hin bereit, Experten nach Russland zu entsenden, um die Vergiftung des Kremlkritikers Nawalny aufzuklären. Was sie genau tun sollen, ist unklar.
Alexej Nawalny (Archivbild)

Alexej Nawalny (Archivbild)

Foto: Pavel Golovkin/ AP

Im Fall der Vergiftung des russischen Kremlgegners Alexej Nawalny ist die internationale Chemiewaffen-Kontrollbehörde bereit, Experten nach Moskau zu schicken. Das teilte die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag mit.

Generaldirektor Fernando Arias habe ein entsprechendes Ersuchen Russlands positiv beantwortet. Ein Expertenteam könne kurzfristig entsandt werden. Der OPCW-Chef forderte Moskau aber auch dazu auf, deutlich zu machen, welche Art von Fachkenntnissen erwartet würden.

Nachdem der Druck um die Aufklärung des Falls größer geworden ist, hatte Russland in der vergangenen Woche um Entsendung von OPCW-Experten im Fall von Nawalny gebeten. Eine Erklärung, was die Spezialisten tun sollten, fehlte allerdings.

Nawalny war im August auf einem innerrussischen Flug zusammengebrochen. Zuerst wurde er im sibirischen Omsk, später dann in der Berliner Charité behandelt. Die Bundesregierung erklärte nach zahlreichen Tests, Nawalny sei mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Befunde von Labors aus Frankreich und Schweden bestätigten diesen Befund.

Da Nowitschok ein verbotener Stoff ist, wurde auch die OPCW eingeschaltet. Deren Untersuchungsergebnisse liegen noch nicht vor.

Nawalny hatte nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in einem Interview mit dem SPIEGEL den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine Vergiftung verantwortlich gemacht.

Kreml will mit Deutschland sprechen

Moskau aber bezweifelt, dass er überhaupt vergiftet wurde und weist immer wieder Anschuldigungen zurück. Zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit machte Putin Deutschland indes ein Gesprächsangebot. In einem Telegramm an Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb der Kremlchef, Russland sei zu einem Dialog bereit, wie der Kreml am Samstag mitteilte. Man sei bereit, über aktuelle Themen zwischen beiden Ländern zu sprechen, aber auch über internationale.

In Deutschland gab es wegen des Nawalny-Falls bereits Forderungen nach Maßnahmen gegen Russland. Bislang hieß es aber, man wolle erst die Überprüfung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen abwarten.

mfh/dpa