Inhaftierter Oppositionspolitiker Nawalnys Tochter überbringt Botschaft aus dem Gefängnis

Erstmals nach der Verhaftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny ist seine Tochter öffentlich aufgetreten. Sie kritisierte die Regierung – und zitierte aus einem Brief ihres Vaters.
Daria Nawalnaja beim »Genfer Gipfel für Menschenrechte und Demokratie«: »Wir, die Bürger, werden entscheiden, wer dieses Land regieren wird – und für wie lange.«

Daria Nawalnaja beim »Genfer Gipfel für Menschenrechte und Demokratie«: »Wir, die Bürger, werden entscheiden, wer dieses Land regieren wird – und für wie lange.«

Foto: HANDOUT / AFP

Daria Nawalnaja, die Tochter des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny, hat bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt die russische Regierung angegriffen. Die schamlosen Versuche der Regierung, ihre Kritiker zum Schweigen zu bringen, würden scheitern, sagte Nawalnaja in einer knapp fünfminütigen Videobotschaft . Anlass ihres Auftritts war ein Preis für Menschenrechte, den Nawalnaja als Vertretung für ihren Vater in Empfang nahm.

»Ich bin sehr besorgt über den schnellen Niedergang der Demokratie in meinem Land«, sagte Nawalnaja. Dennoch zeigte sie sich zuversichtlich: »Wir, die Bürger, werden entscheiden, wer dieses Land regieren wird – und für wie lange.« Daria Nawalnaja ist 20 Jahre alt und studiert derzeit an der Stanford University in Kalifornien (USA).

Mehrere Jahre Straflager

Ihr Vater Alexej Nawalny wurde im August 2020 Opfer eines Giftanschlags. Deutsche Ärzte behandelten ihn danach in Berlin. Labore in Deutschland, Frankreich und Schweden wiesen in seinem Körper Spuren des militärischen Kampfstoffs Nowitschok nach. Nach Recherchen von SPIEGEL, Bellingcat und weiteren Partnern waren mindestens acht Agenten des russischen Geheimdienstes FSB offenbar an dem Giftanschlag auf Nawalny beteiligt; der Kreml bestreitet jede Verantwortung.

Alexej Nawalny zu Beginn der Berufungsverhandlung im Februar 2021

Alexej Nawalny zu Beginn der Berufungsverhandlung im Februar 2021

Foto: Alexander Zemlianichenko / dpa

Mitte Januar wurde Nawalny bei seiner Rückkehr aus Deutschland nach Russland an einem Moskauer Flughafen festgenommen. Kurz darauf verurteilte ihn ein Gericht zu mehreren Jahren Straflager. Er soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von dem Giftanschlag erholte. Das Urteil wurde international als politisch motiviert kritisiert. Nawalny ist mittlerweile in einem Straflager in Pokrow, das etwa 100 Kilometer östlich von Moskau liegt.

»Ein Zeichen, dass sich die Welt kümmert«

Daria Nawalnaja bedankte sich im Namen ihres Vaters für den Preis vom sogenannten Genfer Gipfel für Menschenrechte und Demokratie. Dahinter stehen 25 Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen. Nawalny erhalte den Preis für seinen »außerordentlichen Mut und die heroischen Bemühungen«, mit denen er auf die »schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen« durch die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin aufmerksam mache, sagte Hillel Neuer, Chef der Nichtregierungsorganisation UN Watch. »Es ist ein Zeichen, dass sich die Welt kümmert«, sagte Nawalnaja über den Preis.

Sie zitierte aus einem Brief, den ihr Alexej Nawalny vor der Preisverleihung gegeben habe. Demnach widmete er den Preis allen politisch Gefangenen in Russland und Belarus. »Die meisten von ihnen sind in einer viel schlechteren Situation als ich, weil sie nicht bekannt oder berühmt sind. Aber sie sollen wissen, dass sie nicht allein oder vergessen sind.«

Nawalnaja sprach außerdem über den Moment, als sie das erste Mal von der Vergiftung ihres Vaters gehört hatte. »Ich bin aufgewacht und habe mein Handy angemacht. Da habe ich viele Benachrichtigungen auf Twitter gesehen. Jeder hat über meinen Vater und die Notlandung gesprochen«, erinnerte sie sich.

lau/Reuters
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