Nawalny über seine Einzelhaft »Der Kreml will, dass sein Gulag aus stimmlosen Sklaven besteht«

Strafzelle für seinen Aktivismus hinter Gittern: Der Kremlkritiker Alexej Nawalny berichtet von Schikanen in der Strafkolonie. Hintergrund sollen seine Bestrebungen sein, eine Gewerkschaft zu gründen.
Alexej Nawalny bei einer Gerichtsverhandlung in Russland (Foto aus dem Juni)

Alexej Nawalny bei einer Gerichtsverhandlung in Russland (Foto aus dem Juni)

Foto: Vladimir Kondrashov / dpa

Der in Russland inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny ist nach eigenen Angaben wegen geringfügiger Verstöße gegen Gefängnisregeln für drei Tage in eine Strafzelle gekommen . Über seine Anwälte teilte er via Twitter mit, dass er bestraft worden sei, weil er regelmäßig den obersten Knopf seiner Gefängnisuniform nicht zugeknöpft habe. Zudem habe er versucht, Mitgefangene zur Gründung einer Gewerkschaft zu bewegen.

»Die Einzelhaftzelle ist ein 2,5 x 3 Meter großer Betonzwinger. Die meiste Zeit ist es dort drinnen unerträglich, weil es kalt und feucht ist. Auf dem Boden steht Wasser«, hieß es. »Ich habe die Strandversion – dort ist es sehr heiß und es geht fast keine Luft.«

Das Fenster sei winzig, es gebe keine Belüftung. »Nachts liegst du da und fühlst dich wie ein Fisch auf dem Trockenen. Um 5 Uhr morgens nehmen sie dir deine Matratze und dein Kissen weg (...) und heben deine Koje hoch. Um 21 Uhr wird die Pritsche wieder heruntergelassen und die Matratze zurückgebracht. Es gibt einen eisernen Tisch, eine eiserne Bank, ein Waschbecken, ein Loch im Boden und zwei Kameras an der Decke.«

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In dem Beitrag heißt es, dass die Gewerkschaftsarbeit der eigentliche Grund für die Einzelhaft gewesen sei: »Der Kreml will, dass sein Gulag aus stimmlosen Sklaven besteht.«

Strafkolonie IK-6 für den ernannten Staatsfeind

Berichten zufolge sitzt Nawalny in der Strafkolonie IK-6 in Melechowo, etwa 250 Kilometer östlich von Moskau, seine Strafe wegen Verstößen gegen Bewährungsauflagen sowie wegen Betrugs und Missachtung des Gerichts ab. Behörden in Russland bezeichnen Nawalny und dessen Mitstreiter als Staatsfeinde, die mit Unterstützung des Westens Russland destabilisieren wollten.

Nawalny war im Januar 2021 bei der Rückkehr aus Deutschland in seine Heimat festgenommen und wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen verurteilt worden . Er war im August 2020 auf einem innerrussischen Flug zusammengebrochen. Zunächst wurde er in Russland behandelt, dann in die Berliner Charité verlegt. Dort wurde eine Vergiftung mit einem Nervengift festgestellt.

Die Regierung in Moskau hat Vorwürfe zurückgewiesen, russische Behörden hätten versucht, Nawalny zu töten.

hba/Reuters/AP
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