Nach schwerer Krankheit Algeriens Ex-Präsident Bouteflika stirbt im Alter von 84 Jahren

Fast 20 Jahre lang regierte Abdelaziz Bouteflika in Algerien. Auch als er vor zwei Jahren gesundheitlich schon schwer angeschlagen war, wollte er wieder kandidieren. Nun ist er mit 84 Jahren gestorben.
Abdelaziz Bouteflika im Wahlkampf 1999: Zwei Jahrzehnte lang blieb er algerischer Staatschef

Abdelaziz Bouteflika im Wahlkampf 1999: Zwei Jahrzehnte lang blieb er algerischer Staatschef

Foto: - / AFP

Algeriens früherer Staatschef Abdelaziz Bouteflika ist nach schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben. Das berichtete das algerische Staatsfernsehen in der Nacht zum Samstag. Bouteflika war zwischen 1999 und 2019 Staatsoberhaupt des Landes, hatte sich aber nach einem Schlaganfall 2013 nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt.

Im Westen galt Bouteflika als verlässlicher Partner im Kampf gegen den Terror, in Algerien selbst sollte er das Land nach einem blutigen Jahrzehnt des Bürgerkrieges wieder versöhnen – was ihm mithilfe des Militärs und politischer Netzwerke auch zunächst gelang.

In den Jahren des gewaltsamen Konflikts zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten islamistischen Gruppen wurden nach Schätzungen zwischen 1992 und 2002 etwa 200.000 Menschen getötet. Unter Bouteflikas Herrschaft wurden Amnestiegesetze für aufständische Islamisten beschlossen, die der Gewalt abschworen.

Als der Arabische Frühling 2011 die autoritär regierten Staaten in Nordafrika und im Nahen Osten erschütterte, bewies der von seinen Gegnern als Marionette des Militärs geschmähte Präsident taktisches Geschick. Während seine Kollegen in den Nachbarstaaten auf Unterdrückung setzten, kündigte Bouteflika Reformen an.

Zwar wurden diese von der Opposition als unzureichend kritisiert, doch weitere Proteste blieben zunächst aus. Menschenrechtsorganisationen kritisieren bis heute eine Repression von Opposition und Medien in Algerien.

Das Militär entzog ihm die Unterstützung

Die Parlamentswahl im Mai 2012 gewann Bouteflikas Partei Nationale Befreiungsfront (FLN) mit deutlichem Vorsprung. Er selbst regierte weiter mit harter Hand. Auch aus seiner vierten Präsidentschaftswahl 2014 ging Bouteflika als klarer Sieger hervor. Dabei hatte es bis in den Sicherheitsapparat hinein Widerstand gegen seine Kandidatur gegeben.

In den letzten Jahren seiner Amtszeit trat der im Rollstuhl sitzende Präsident kaum noch öffentlich in Erscheinung. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel musste 2017 einen Besuch in letzter Sekunde absagen, weil ihn der Gesundheitszustand Bouteflikas nicht zuließ.

Als Bouteflika trotzdem ankündigte, im Frühjahr 2019 für eine fünfte Amtszeit kandidieren zu wollen, löste das Massenproteste aus. Die Demonstranten forderten seinen Abschied aus der Regierung. Das Militär entzog ihm schließlich die Unterstützung und Bouteflika trat wenige Tage vor Ende seiner vierten Amtszeit zurück.

Die Proteste hielten jedoch an. Tausende Menschen forderten einen echten politischen Wandel und ein Ende von Korruption und Misswirtschaft. Im Nachfolger Abdelmadjid Tebboune an der Staatsspitze und der Regierung sehen viele die Fortsetzung der alten Machtelite Bouteflikas. Die Wirtschaftslage verbesserte sich auch nach dessen Abgang zunächst nicht.

Nach Meinung politischer Beobachter war das Handeln Bouteflikas von drei großen Leitlinien bestimmt: der Beendigung des Bürgerkrieges, der Beendigung der internationalen Isolation Algeriens sowie der Einschränkung der Macht der Militärs. Von diesen selbst gestellten Aufgaben konnte er zumindest bei den ersten beiden Erfolge erzielen.

lov/AFP/dpa/Reuters
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