Rede bei Feiern zum Unabhängigkeitstag Trump attackiert Denkmal-Stürmer

Die USA begehen den 4. Juli, während die Corona-Neuinfektionen auf Rekordwerte steigen und Proteste das Land erschüttern. Und Donald Trump: hält eine Rede, die das "großartigste Land der Weltgeschichte" weiter spaltet.
Donald und Melania Trump am Mount Rushmore: "Gnadenlose Kampagne"

Donald und Melania Trump am Mount Rushmore: "Gnadenlose Kampagne"

Foto: TOM BRENNER/ REUTERS

US-Präsident Donald Trump nutzte bei einer Zeremonie zum amerikanischen Unabhängigkeitstag die Kulisse berühmter Vorgänger, um die Überlegenheit seines Landes zu betonen. Ungeachtet der Coronakrise und landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt bezeichnete er die USA als das "großartigste Land in der Geschichte der Welt". Vor seinen Anhängern ließ Trump eine geballte Ladung polarisierender Botschaften los: Es sei, so Trump, eine "gnadenlose Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte" im Gange.

Zu Trumps Rede und einem Feuerwerk hatten sich dort Tausende Menschen versammelt, die wenigsten von ihnen trugen Masken. In die Felsen des Mount Rushmore im Bundesstaat South Dakota gehauen sind die Konterfeis der vier bedeutenden früheren US-Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln.

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Trump beschwört Überlegenheit der USA - Demonstrierende blockieren Straße

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Alex Brandon/ DPA

Der Unabhängigkeitstag am 4. Juli steht in diesem Jahr unter dem Eindruck der sich zuspitzenden Corona-Pandemie und landesweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd . Obwohl die USA in den vergangenen Tagen mehrmals in Folge ihre eigenen dramatischen Rekorde bei der Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden brachen, ließ Trump die Krise weitgehend außer Acht. Es waren die Proteste, die eine Debatte über die Erinnerungskultur des Landes entfacht haben, die ihm den Stoff für die Rede lieferten.

"Wir lieben dich, Präsident Trump"

Trump warf dem linken Flügel des politischen Spektrums vor, in den Städten des Landes eine "Welle von Gewaltverbrechen" auslösen zu wollen. Unter dem "Banner der sozialen Gerechtigkeit" werde versucht, sowohl die Gerechtigkeit als auch die Gesellschaft zu zerstören. "Wütende Mobs" versuchten, Statuen der Gründerväter der USA zu Fall zu bringen. Das "starke und stolze" amerikanische Volk werde aber nicht erlauben, ihm die Geschichte und Kultur zu nehmen. Der Angriff auf die "großartige Freiheit muss gestoppt werden und wird sehr schnell gestoppt werden", sagte Trump.

Trumps Anschuldigungen gegen Teilnehmer an den Protesten sind nicht neu - am Mount Rushmore waren sie aber besonders scharf. In mehreren US-Städten waren bei Protesten Statuen gestürzt worden, die historische Figuren darstellen, die in Verbindung mit Rassismus gebracht werden.

Die US-Demokraten wollen aus dem Kongress umstrittene Statuen verbannen. Auch wurden Forderungen zur Umbenennung einiger Militärstützpunkte laut, die an Anführer der Konföderierten Staaten im amerikanischen Bürgerkrieg erinnern. Trump wehrt sich gegen all das.

Die Stimmung bei der Veranstaltung zum Auftakt der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli glich einem Wahlkampfevent. Zwischenrufe wie "Wir lieben dich, Präsident Trump" waren zu hören. Und seine Rede schien genau darauf ausgelegt zu sein. Aus den USA solle ein Ort der "Unterdrückung, Herrschaft und Ausgrenzung" gemacht werden. "Sie wollen uns zum Schweigen bringen, aber wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen", sagte Trump. Er dagegen trete für das Erbe des Landes, die Vollstreckung von Gesetzen und das Recht auf Waffenbesitz ein.

Der Republikaner will bei der Wahl in vier Monaten für eine zweite Amtszeit antreten - und er steht unter Druck. Umfragen sehen den designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, in Führung.

Bei den Umfragen ist Vorsicht geboten, wie die Wahl 2016 zeigte. Doch Trump sieht sich nicht nur Kritik wegen seines Umgangs mit der Coronakrise ausgesetzt, in der sein Augenmerk vor allem auf der Wirtschaft liegt. Nach dem Tod von Floyd wurde Trump vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und nicht genug Verständnis für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land zu zeigen. Das Verständnis für friedliche Proteste ist Umfragen zufolge hoch.

"Großartigstes Land in der Geschichte der Welt"

Die Proteste werden auch Teil des diesjährigen Unabhängigkeitstages sein: Für Samstag sind in der Hauptstadt Washington mehrere Demonstrationszüge angekündigt. Am Samstagabend Ortszeit will Trump im Weißen Haus eine weitere Ansprache zum 4. Juli halten. Im Anschluss sollen die Feierlichkeiten auf der National Mall zwischen Parlamentsgebäude und Lincoln Memorial beginnen, Höhepunkt ist ein Feuerwerk am Abend. Bürgermeisterin Muriel Bowser hatte beklagt, dass die Feierlichkeiten mitten in der Corona-Pandemie im Widerspruch zu den Richtlinien der Gesundheitsexperten stünden.

Trump würde die Corona-Pandemie am liebsten für beendet erklären - was auch bei seiner Rede am Mount Rushmore deutlich wurde. Zu Beginn sprach er "das Virus" an, aber nicht die mehr als 50.000 Neuinfektionen, die in den vergangenen Tagen jeweils binnen 24 Stunden verzeichnet werden. Kein Wort auch zu den fast 130.000 Toten, die die USA seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung zu beklagen haben.

Stattdessen sagte Trump vor dicht gedrängten Zuschauern, die USA seien das "großartigste Land in der Geschichte der Welt" und dass es "bald" großartiger als je zuvor sein werde.

mst/dpa