Nach Amoklauf Schulbezirk Uvalde beurlaubt gesamte Polizei

Beim Einsatz rund um das Schulmassaker von Uvalde unterliefen der Polizei dramatische Fehler. Schon vor Wochen musste deshalb der Chef der Einsatzkräfte gehen. Nun zieht der Bezirk weitere Konsequenzen.
Trauer nach den Schüssen: Der Amokläufer von Uvalde ermordete 19 Kinder und zwei Lehrerinnen

Trauer nach den Schüssen: Der Amokläufer von Uvalde ermordete 19 Kinder und zwei Lehrerinnen

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Jae C. Hong / AP

Etwas mehr als vier Monate nach dem verheerenden Amoklauf an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas gibt es weitere personelle Konsequenzen wegen der schweren Versäumnisse bei dem Polizeieinsatz. Der Schulbezirk von Uvalde gab am Freitag die vorübergehende Beurlaubung der gesamten für den Schulbezirk zuständigen Polizei bekannt. Hintergrund sind mehrere noch laufende Untersuchungen zum Einsatz während des Amoklaufs in der Robb-Grundschule am 24. Mai 2022.

Die jüngsten Entwicklungen hätten neue Bedenken hinsichtlich der Abläufe in der Abteilung ergeben, hieß es in einer von dem Schulbezirk veröffentlichten Mitteilung. »Der Bezirk hat die Entscheidung getroffen, alle Aktivitäten der für den Schulbezirk Uvalde zuständigen Polizei für eine gewisse Zeit auszusetzen. Die derzeit beschäftigten Beamten werden andere Aufgaben im Bezirk übernehmen«, hieß es in einer vom Schulbezirk veröffentlichten Mitteilung . Die Polizei bestand laut ihrer Website aus fünf Beamten und einem Wachmann. Ende August war der umstrittene Polizeichef des Schulbezirks entlassen worden.

Der Schulbezirk teilte weiter mit, er habe zusätzliche Beamte des texanischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit angefordert, um die Sicherheit auf dem Campus zu gewährleisten.

Ein 18 Jahre alter Schütze hatte Ende Mai an der Grundschule in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen. Der Angreifer schoss in zwei miteinander verbundenen Klassenräumen mit einem Sturmgewehr auf seine Opfer.

Neben der Tat an sich sorgten auch dramatische Versäumnisse bei dem Polizeieinsatz für Fassungslosigkeit: Demnach hatten bereits frühzeitig 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum Stellung bezogen, in dem sich der Amokläufer mit Lehrern und Schülern verschanzt hatte. Die Beamten unternahmen aber mehr als 45 Minuten lang keinerlei Versuche, in den Raum einzudringen und den Täter zu stoppen. Stattdessen warteten sie auf Verstärkung, obwohl Kinder aus dem Inneren des Raumes mehrfach verzweifelt bei der Polizei anriefen, um Hilfe zu bekommen. Erst mehr als 75 Minuten, nachdem der Schütze das Feuer eröffnet hatte, drangen Einsatzkräfte in das Klassenzimmer ein und töteten den Amokläufer.

sol/dpa/Reuters
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