Umstrittener Botschafter Ukraine will offenbar Andrij Melnyk aus Deutschland abziehen

Immer wieder drängt Andrij Melnyk, die Bundesregierung müsse die Ukraine stärker unterstützen – und eckt oft mit seiner Wortwahl an. Medienberichten zufolge wird Kiews Botschafter in Berlin seinen Posten demnächst räumen.
Botschafter Melnyk in Berlin

Botschafter Melnyk in Berlin

Foto: Fabian Sommer / dpa

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, steht offenbar vor einem Ende seiner Zeit in Berlin.

Wie »Bild«  und »Süddeutsche Zeitung«  berichten, plant die ukrainische Regierung eine Rückkehr Melnyks nach Kiew. Dort soll er ins ukrainische Außenministerium wechseln, heißt es.

Melnyk war mit seinen Mahnungen und Appellen an die Bundesregierung, die Ukraine nach der Invasion durch Russland unter anderem mit Waffen stärker zu unterstützen, bekannt geworden.

Kontroverse um Bandera-Aussage

Wiederholt hatte er mit seinen Aussagen jedoch auch Kontroversen ausgelöst. Zuletzt hatte der Topdiplomat etwa den Nationalistenführer Stepan Bandera verteidigt und bestritten, dass Bandera ein Massenmörder von Juden und Polen gewesen sei. Bandera gilt international vielen als Nazikollaborateur, seine Rolle ist umstritten. Die Äußerungen Melnyks hatten etwa in Polen Verstimmung ausgelöst – schließlich distanzierte sich das ukrainische Außenministerium vom eigenen Botschafter.

Als Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine Reise in die Ukraine zunächst abgelehnt hatte, nannte Melynik ihn eine »beleidigte Leberwurst«. Scholz hatte zuvor gesagt, die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die Ukraine stehe seiner Reise im Weg.

»Das ist eine Äußerung, die ich im Nachhinein natürlich bedauere«, sagte Melnyk später – nach Scholz' Kiewreise – im SPIEGEL-Spitzengespräch: »Ich werde mich bei ihm persönlich entschuldigen«, fügte er hinzu. Die Äußerung sei »diplomatisch nicht angemessen« gewesen und sie habe »viele Menschen nicht nur in Deutschland vor den Kopf gestoßen«.

In dem Gespräch hatte Melnyk auch gesagt, er liebe Deutschland. Er könne sich vorstellen, auch nach seiner Amtszeit als Botschafter dauerhaft in Deutschland zu bleiben: »Ich wäre nicht nach Deutschland gekommen, auch als Diplomat, wenn ich die Sprache nicht geliebt hätte, die Kultur nicht genossen hätte und auch die Menschen nicht respektiert hätte«, sagte er.

fek/ptz
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