Treffen mit Boris Johnson Merkel besorgt wegen vollen Wembley-Stadions

Sie sei »sorgenvoll und skeptisch«: Angela Merkel hat Bedenken wegen der großen Zuschauerzahlen bei den kommenden EM-Spielen in London. Boris Johnson sieht dagegen kein Problem.
Johnson und Merkel vor dem Landsitz Chequers

Johnson und Merkel vor dem Landsitz Chequers

Foto: ANDY RAIN / POOL / EPA

Angela Merkel (CDU) ist kurz vor Ende ihrer Amtszeit ein letztes Mal als Bundeskanzlerin nach Großbritannien gereist. Vor ihrem Besuch bei Queen Elizabeth II. im Schloss Windsor traf sie in Chequers mit Premierminister Boris Johnson für Beratungen zusammen.

Johnson eröffnete die anschließende Presseerklärung mit einem kleinen Seitenhieb: Im Laufe der 22 Besuche Merkels in Großbritannien in ihren 16 Jahren als Kanzlerin hätten sich viele Dinge geändert. Er sei dankbar dafür, dass zumindest die englische Fußballnationalmannschaft nun einmal gegen die deutsche gewonnen habe.

Die EM sorgt jedoch auch für Meinungsverschiedenheiten. Angesichts Zehntausender Zuschauer im Londoner Wembley-Stadion sagte Merkel auf Nachfrage, sie sei »sorgenvoll und skeptisch, ob das gut ist und nicht ein bisschen viel«. Die Kanzlerin merkte an, dass bei den Spielen in München deutlich weniger Zuschauer zugelassen worden seien. Johnson erwiderte, man werde sich bei der Austragung von Fußballspielen an die wissenschaftlichen Empfehlungen halten. Die Uefa plant, die Halbfinalspiele und das Finale der EM im Londoner Wembley-Stadion vor 45.000 beziehungsweise 60.000 Zuschauern auszutragen.

Inzwischen gebe es in Großbritannien durch die Coronaimpfungen eine »Mauer der Immunität«, so Johnson. Zuletzt hatte es Berichte gegeben, wonach Tausende Coronainfektionen mit den EM-Spielen in Zusammenhang stehen sollen.

Mit Blick auf die Einreise- und Quarantänebestimmungen wegen der Coronapandemie sagte Merkel, sie erwarte, dass doppelt geimpfte Personen aus Großbritannien in absehbarer Zukunft auch ohne Quarantäne nach Deutschland reisen könnten. Aktuell gilt Großbritannien als Virusvariantengebiet, Einreisende müssen für 14 Tage in Quarantäne und können sich nicht freitesten. Merkel verwies darauf, dass sich die Variante auch in Deutschland rasant ausbreite.

Sie wünsche sich, dass die Zusammenarbeit im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich nach dem Brexit andauere. Es dürfe nicht passieren, dass es ohne das Erasmus-Programm keinen Austausch mehr zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Großbritannien gebe.

Merkel im Streit über Nordirland-Sonderregeln optimistisch

Über die verlängerte Verhandlungsfrist beim Nordirland-Protokoll zeigte sich die Kanzlerin erfreut. Die um drei Monate erweiterte Frist für eine Einigung mache es möglich, die Differenzen »pragmatisch« beizulegen, sagte Merkel.

Das Protokoll ist der brisanteste Teil des Brexit-Abkommens: Es soll sicherstellen, dass keine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland entsteht, indem die Zollgrenze zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich praktisch in die Irische See verlegt wird. Zuletzt hatten sich die EU und Großbritannien darauf verständigt, Lebensmittel- und Agrarexporte nach Nordirland zunächst für drei weitere Monate nicht zu kontrollieren.

fek
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