Masken-Etikette beim EU-Gipfel So nicht!

Wangenküsschen gibt's nicht mehr, beim EU-Corona-Gipfel begrüßen die Länderchefs einander mit Ellenbogen-Checks. Eine frei liegende Nase fiel Angela Merkel auf.
Angela Merkel und Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow: So nicht!

Angela Merkel und Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow: So nicht!

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STEPHANIE LECOCQ/ AFP

Beim aktuellen EU-Gipfel steht die Coronakrise im Mittelpunkt. In Brüssel ringen 27 Länderchefs und -chefinnen um 1,7 Billion Euro, um Kontrolle und Maßnahmen - es geht darum, mit den Folgen der Virusinfektion umzugehen, der man mit Masken und Abstandhalten vorbeugen kann.

Masken und Abstand ist aber etwas, das offenbar nicht jeder hochrangige Politiker auf dem Treffen durchhält - die Betonung auf die männliche Form ist hier bewusst gewählt: Zwar trugen alle Regierungschefs den Mund-Nasen-Schutz, als sie am Ratsgebäude aus ihren Autos stiegen und den langen Weg zu den Kameras für Stellungnahmen entlang schritten. Auf Fotos ist aber auch zu sehen, dass die Chefs von Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei bei einem Vortreffen zusammenkamen - oben ohne und mit einem herzlichen Händedruck.

Regierungschefs Andrej Babis (l.) aus Tschechien und Viktor Orbán (r.) aus Ungarn: Herzlicher Händedruck

Regierungschefs Andrej Babis (l.) aus Tschechien und Viktor Orbán (r.) aus Ungarn: Herzlicher Händedruck

Foto: Thierry Monasse/ Getty Images

In U-Bahnen, Einkaufszentren und Geschäften zeigt sich seit Wochen, dass vor allem - wenn auch nicht nur - Männer die Stoff- oder Papierbedeckung zu vermeiden suchen: Meist hängt die Maske gerade mal über dem Mund, auch mal um den Hals - die Nase, die bleibt frei. Dabei gilt gerade diese als erstes Einfallstor für das Virus, bevor es in Rachen und Lunge vordringt.

So auch in Brüssel. Die mangelnde Schutzbedeckung ihres bulgarischen Kollegen fiel offenbar Angela Merkel auf, die sich mit eng anliegender Ganznasenmundbedeckung über das Parkett bewegt. Mit spitzem Zeigefinger und Lachfalten um die Augen weist die Kanzlerin Bojko Borissow auf die lückenhafte Maskierung hin.

Jawoll, scheint der Bulgare Borissow zu salutieren. Seine Maske hat er ein winziges Stück höher geschoben.

Jawoll, scheint der Bulgare Borissow zu salutieren. Seine Maske hat er ein winziges Stück höher geschoben.

Foto: Stephanie Lecocq/ dpa

Der hebt zunächst abwehrend den rechten Arm. Und reagiert dann humorvoll auf den Hinweis: Jawoll, salutiert der Ministerpräsident. Seinen Rücktritt fordern übrigens zur gleichen Zeit Demonstranten in der Heimat. Sie werfen Borissow und seinem Kabinett "Korruption und Verbindungen zu Oligarchen" vor.

Am Freitag feierte Merkel Geburtstag, jetzt 66, ebenso wie António Costa, jetzt 59. Der portugiesische Regierungschef überreichte der Deutschen - wie auch den anderen Gipfelteilnehmern - ein passendes, wenn von vielen wohl auch nicht genug gewürdigtes Geschenk: ein personalisiertes Set an Designer-Schutzmasken.

Italiens Premierminister Guiseppe Conte und Merkel: Check mit freier Nase

Italiens Premierminister Guiseppe Conte und Merkel: Check mit freier Nase

Foto: POOL/ REUTERS

Die Fotos zeigten auch: Statt des üblichen Handschlags oder der gelegentlichen Wangenküsschen übt Merkel auf der Konferenz den Ellenbogen-Check. Einen Tag nach der Borissow-Rüge begrüßt sie so den Italiener Guiseppe Conte. Der - oh, Wunder - das mit der Nasenbedeckung auch noch nicht so richtig verstanden hat. Ob Merkels Zeigefinger nach diesem Foto auch zum Einsatz kam?

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Während der Beratungen allerdings werden die Chefs die Schutzmasken nicht brauchen. Die Verhandlungen finden im mit 850 Quadratmetern größten Saal des Brüsseler Ratsgebäudes statt, der normalerweise für EU-Afrika-Gipfeltreffen mit bis zu 330 Teilnehmern genutzt wird.

Um noch mehr Platz und Abstand zu schaffen, durften Merkel und ihre Kollegen jeweils nur fünf Berater mitbringen. Normalerweise bestehen die Delegationen der Staats- und Regierungschefs oft aus mehr als 20 Leuten.

abl/mit Material von dpa
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