Tigray Angreifer töten Team von »Ärzte ohne Grenzen« in Äthiopien

Am Donnerstag verlor die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« den Kontakt zu einem Team in Äthiopien. Nun wurden das Fahrzeug und die Leichen der Mitarbeiter in der Konfliktregion Tigray gefunden.
Schild am Hauptquartier der Organisation »Ärzte ohne Grenzen« in Genf

Schild am Hauptquartier der Organisation »Ärzte ohne Grenzen« in Genf

Foto: DENIS BALIBOUSE/ REUTERS

In Äthiopien sind drei Mitarbeiter der spanischen Niederlassung der Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« in der Region Tigray von Unbekannten getötet worden. Wie die Organisation in einer Erklärung öffentlich machte, verlor sie am Donnerstagnachmittag den Kontakt zu einem Fahrzeug, in dem sich das Team befand. »Heute Morgen wurde das Fahrzeug leer gefunden und ein paar Meter weiter die leblosen Körper«, so »Ärzte ohne Grenzen«. Bei den Opfern handle es sich um eine 35-jährige Notfallkoordinatorin aus Madrid, ihren 31 Jahre alten Hilfskoordinator aus Äthiopien sowie den äthiopischen Fahrer.

Die Hilfsorganisation verurteilte den Angriff und kündigte an, die genauen Umstände des Vorfalls klären zu wollen. Das äthiopische Außenministerium kondolierte über Twitter, sagte aber, dass es Hilfsorganisationen dazu auffordere, sich in der Region mit militärischem Begleitschutz zu sichern.

Millionen auf der Flucht

Das spanische Außenministerium erklärte, es stehe mit der Hilfsorganisation und der äthiopischen Regierung wegen des Angriffs in Kontakt. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez sprach den Familien der Getöteten auf Twitter sein Beileid aus. Das US-Außenministerium forderte eine unabhängige Untersuchung der Morde und sagte, die äthiopische Regierung trage letztlich die volle Verantwortung für die Gewährleistung der Sicherheit der humanitären Helfer.

Insgesamt sind bereits mehr als zwölf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen dem äthiopischen Militär und den Kräften der Volks­be­frei­ungs­front von Tigray (TPLF) getötet wurden. Bei den Kämpfen wurden bislang Tausende Menschen getötet, mehr als zwei Millionen sind auf der Flucht. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind in der Region mehr als 350.000 Einwohner von einer schweren Hungersnot bedroht. Zudem komme es immer wieder zu »außergerichtlichen Hinrichtungen, willkürlichen Verhaftungen und Inhaftierungen sowie sexueller Gewalt gegen Kinder und Erwachsene«.

beb/Reuters