Angriffe im Irak Iran feuert Raketen auf zwei US-Stützpunkte ab

Iran spricht von einem "Akt der Selbstverteidigung": Im Irak sind mehrere Raketen in zwei Militärbasen eingeschlagen - dort sind auch amerikanische Soldaten stationiert.
Luftwaffenbasis Ain al-Asad im Irak (Archivbild)

Luftwaffenbasis Ain al-Asad im Irak (Archivbild)

Foto: Nasser Nasser/ AP

Iran hat zwei Militärstützpunkte im Irak angegriffen, die auch von US-Soldaten genutzt werden. Es handle sich um eine Vergeltungsattacke nach dem tödlichen US-Luftangriff auf den iranischen General Qasem Soleimani, teilten die Revolutionsgarden in der Nacht zu Mittwoch mit. Die "Operation Märtyrer Soleimani" auf die "von den Amerikanern besetzte" Basis sei "in jeder Hinsicht ein voller Erfolg".

Die Regierung in Teheran bezeichnete den Angriff als "verhältnismäßigen" und rechtmäßigen "Akt der Selbstverteidigung". Außenminister Dschawad Sarif erklärte: "Wir streben nicht nach einer Eskalation oder Krieg, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen."

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Aus dem Pentagon hieß es , "mehr als ein Dutzend" ballistischer Raketen sei aus Iran abgefeuert worden und in zwei Militärbasen mit US-Soldaten eingeschlagen. Betroffen seien der Luftwaffenstützpunkt Ain al-Asad im Zentrum des Irak und eine Basis in der nördlichen Stadt Erbil. Die USA würden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ihre Soldaten, Partner und Verbündeten in der Region zu schützen und zu verteidigen.

Trump: "Alles ist gut"

Offizielle Informationen über mögliche Opfer und Schäden gibt es noch nicht. "Wir arbeiten an ersten Einschätzungen der Schäden", erklärte das Pentagon. US-Präsident Donald Trump schrieb bei Twitter: "Alles ist gut." Derzeit liefen die Untersuchungen zu möglichen Schäden und Opfern, "so weit, so gut". Er werde am Morgen eine Erklärung abgeben.

Als Reaktion auf die Angriffe untersagte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA US-Flugzeugen die Nutzung des Luftraums in Teilen des Nahen Ostens. Über dem Persischen Golf, dem Golf von Oman, im Irak und Iran dürften in den USA registrierte Flugzeuge "wegen erhöhter militärischer Aktivitäten und steigender politischer Spannungen" nicht mehr operieren, hieß es in einer Mitteilung . Es gebe ein erhöhtes Risiko, dass ein Flugobjekt falsch identifiziert werde.

Bundeswehr: Deutsche Soldaten in Erbil wohlauf

In Erbil sind auch Soldaten der Bundeswehr stationiert, sie sind Teil der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Man stehe mit den Bundeswehrsoldaten in Kontakt, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. "Den Soldaten geht es gut." Sie hätten einen Schutzraum aufgesucht und die Situation abgewartet, wie es in derartigen Fällen üblich sei. Details zu dem Angriff konnte der Sprecher nicht nennen. Aktuell seien in Erbil 115 deutsche Soldaten stationiert. Sie sind in einem großen, multinationalen Stützpunkt unmittelbar am Flughafen der Stadt untergebracht. Aus dem Zentralirak hatte die Bundeswehr ihre Soldaten am Montag ausgeflogen.

Die Spannungen im Irak hatten sich in den vergangenen Tagen verschärft, nachdem die USA bei einem Drohnenangriff in Bagdad Soleimani und den irakischen Milizenführer Abu Mahdi al-Muhandis getötet hatten . Iran drohte im Anschluss mit "schwerer Rache".

Trump hatte am Dienstag vor den Angriffen gesagt: "Falls Iran irgendetwas macht, was er nicht tun sollte, werden sie die Konsequenzen erleben. Und das sehr stark."

Die iranischen Revolutionsgarden wiederum erklärten nach den Angriffen, jede Reaktion des "großen Satans" USA werde mit einer härteren Reaktion erwidert. Außerdem drohten sie in Richtung von Washingtons Verbündeten: Auch den Amerikanern zur Verfügung gestellte Stützpunkte könnten Ziel iranischer Angriffe werden, falls von dort aus Angriffe auf Iran erfolgen sollten. Die Revolutionsgarden forderten die USA auf, ihre Truppen abzuziehen, damit deren Leben nicht gefährdet werde.

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, appellierte an Iran, sämtliche Gewalt einzustellen. Die Trump-Regierung wiederum solle ihre "unnötigen Provokationen" beenden, schrieb die Demokratin bei Twitter . "Amerika und die Welt können sich keinen Krieg leisten." Der EU-Botschafter im Irak, Martin Huth, schrieb : "Der Irak verdient es nicht, Opfer eines Stellvertreterkrieges zu werden!" Mit den Angriffen verletze Iran die Souveränität des Irak.

SPIEGEL ONLINE

Im Irak sind rund 5000 US-Soldaten stationiert, die ein internationales Militärbündnis zum Kampf gegen den IS anführen. Die US-Stützpunkte im Irak sind zuletzt häufiger mit technisch einfacheren Raketen von örtlichen schiitischen Milizen, die von Iran unterstützt werden, angegriffen worden. Ein direkter Angriff aus Iran markiert jedoch eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und Iran.

aar/dpa/AFP/Reuters
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