AKW-Laufzeitverlängerung Für Baerbock spielt Atomkraft bei Wärmeversorgung »keine entscheidende Rolle«

Annalena Baerbock sieht nur einen Weg, um die Versorgung mit Wärme im Winter zu sichern: Gas sparen. Die Diskussion über AKW-Laufzeiten sei da nicht zielführend, so die Grünenpolitikerin.
Annalena Baerbock in Prag: »Wir wissen, was unsere Stärke ist: Zusammenstehen, gerade in nicht einfachen Zeiten«

Annalena Baerbock in Prag: »Wir wissen, was unsere Stärke ist: Zusammenstehen, gerade in nicht einfachen Zeiten«

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In der Debatte über den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) auf die geringe Bedeutung von Atomenergie bei der Wärmeversorgung verwiesen. »Wir brauchen Versorgungssicherheit bei Wärme, da spielen Atomkraftwerke keine entscheidende Rolle«, sagte Baerbock in Prag. In Deutschland werde in erster Linie mit Gas geheizt, Strom mache nur einen sehr geringen Anteil aus.

Daher sei der richtige Weg das Einsparen von Gas. »Das ist die richtige Antwort als Vorsorge für den Winter«, sagte Baerbock. Sie verwies auf den sogenannten Stresstest vom Frühjahr, der gezeigt habe, dass das Weiterlaufen der Atomkraftwerke keinen Unterschied machen würde. Bei dem Test sei herausgekommen, »dass es nicht helfen würde«, sagte Baerbock.

Eine erste Prüfung zur Sicherung der Stromversorgung hatte im März ergeben, dass der Weiterbetrieb der drei letzten deutschen Atomkraftwerke nicht nötig ist. Derzeit läuft nun die zweite Untersuchung, deren Ergebnis in den nächsten Wochen erwartet wird.

Baerbock begrüßte den Gas-Notfallplan der EU, der vorsieht, dass alle Mitgliedsländer bis Ende März jeweils 15 Prozent an Gas einsparen sollen. »Wir unterstreichen damit eben, dass wir uns nicht spalten lassen, wo wir als EU-Staaten auch gegeneinander agieren könnten, weil das Gas so knapp ist«, sagte die Grünenpolitikerin am Dienstag bei einem Besuch in Prag. »Wir wissen, was unsere Stärke ist: Zusammenstehen, gerade in nicht einfachen Zeiten.«

Annalena Baerbock und Jan Lipavsky vor einer Gedenktafel für unter deutscher Okkupation ermordete tschechische Diplomaten

Annalena Baerbock und Jan Lipavsky vor einer Gedenktafel für unter deutscher Okkupation ermordete tschechische Diplomaten

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Die Außenministerin war in Prag mit ihrem tschechischen Kollegen Jan Lipavsky zusammengetroffen. Themen der Gespräche waren die deutschen Ringtausch-Pläne für Waffenlieferungen in die Ukraine und die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Waldbrands im tschechischen Nationalpark Böhmische Schweiz. Am Nachmittag reist Baerbock ins Nachbarland Slowakei weiter.

Kritik an Lawrow-Äußerungen

Die jüngsten Äußerungen ihres russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zu Moskaus Plänen für den Sturz der ukrainischen Regierung kritisierte Baerbock unterdessen scharf. Sie hätten »noch einmal die tiefe Verachtung der russischen Führung für die demokratische Selbstbestimmung der Ukraine gezeigt«, sagte die Grünenpolitikerin: »Niemand kann nun noch behaupten, Russland ginge es um irgendetwas anderes als die völlige Unterwerfung der Ukraine und seiner Menschen.«

Russlands Außenminister hatte am Sonntag bei einem Besuch in Kairo erklärt, dass Russland den Sturz der ukrainischen Regierung anstrebt.

sak/AFP/dpa
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