Frauenproteste in Iran Baerbock wirbt im Uno-Menschenrechtsrat für Vorgehen gegen Teheran

Seit zwei Monaten wird in Iran protestiert, es gab Hunderte Tote. Der Westen hat dem brutalen Vorgehen des Regimes bisher wenig entgegengesetzt. Nun will Deutschland den Uno-Menschenrechtsrat anrufen.
Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne)

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne)

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Seit September demonstrieren Menschen in Iran für mehr Frauenrechte und gegen das Teheraner Regime. Der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini hatte eine beispiellose Wut entfacht. Nun will Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) angesichts der anhaltenden Gewalt gegen die Protestierenden den Druck auf Teheran erhöhen.

Sie wollte am Donnerstag persönlich im Uno-Menschenrechtsrat in Genf sprechen. Dort findet auf Antrag Deutschlands und Islands eine Sondersitzung zum Iran statt. Das Ansinnen wurde von mehr als 50 Ländern unterstützt.

Baerbock will für eine Resolution werben, über die noch am Nachmittag abgestimmt wird. In dem Entwurf wird die Gewalt verurteilt und die Regierung in Teheran wird aufgerufen, die Menschenrechte insbesondere der Frauen zu schützen. Zudem soll eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge eingeleitet werden. Dabei soll auch Beweismaterial gesammelt werden, das später bei etwaigen Gerichtsprozessen gegen Verantwortliche für unnötige Gewalt verwendet werden kann.

Der Iran wehrt sich gegen das Vorgehen. Diplomaten haben dem Vernehmen nach alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Mitgliedsländer des Uno-Menschenrechtsrats zur Ablehnung der Resolution zu bewegen. Außenminister Hussein Amirabdollahian sagte am Mittwoch nach Angaben von Staatsmedien, die USA, Deutschland, Frankreich und England mischten sich in die internen Angelegenheiten ein. Die Sicherheitskräfte hätten sich bisher zurückgehalten.

Die Resolution können zwar alle 193 UN-Mitglieder unterstützen. Im Rat sind aber nur 47 Regierungen, die darüber abstimmen. Eine einfache Mehrheit an Jastimmen reicht zur Annahme. Enthaltungen spielen dabei keine Rolle. Es gilt als ausgeschlossen, dass der Iran unabhängige Menschenrechtsexperten ins Land lassen würde. Viele Untersuchungen werden aber auch von außen mit der Befragung von Geflüchteten und Augenzeugen durchgeführt.

Umgekommen wegen der Kleiderordnung

Der gewaltsame Tod von Mahsa Amini am 16. September hatte in Iran die Demonstrationen entfacht. Amini war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die strikte Kleiderordnung von der Sittenpolizei festgenommen worden und starb in Polizeigewahrsam. Nach Angaben der Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) mit Sitz in den USA wurden seit Ausbruch der Proteste mindestens 430 Menschen getötet, darunter auch 55 Sicherheitskräfte. Sechs Menschen wurden nach der Teilnahme an Protesten zum Tode verurteilt. Tausende wurden verhaftet.

Der neue Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, wollte sich in der Sondersitzung erstmals in seiner neuen Funktion äußern. Der österreichische Jurist hat sein Amt im Oktober angetreten.

mrc/dpa
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