E-Mails von US-Virologe Fauci »Es ist alles gut – trotz einiger verrückter Leute auf dieser Welt«

Kommentare zum Hype um seine Person und Entschuldigungen von chinesischen Kollegen: US-Medien haben E-Mails des Virenexperten Anthony Fauci veröffentlicht – sie geben Einblick in die Wirren zu Beginn der Coronakrise.
US-Virologe Fauci: »Unsere Gesellschaft ist wirklich total verrückt«

US-Virologe Fauci: »Unsere Gesellschaft ist wirklich total verrückt«

Foto: Susan Walsh / AP

Auf 866 Seiten hat die »Washington Post« E-Mails ausgedruckt, die der US-Virenexperte Anthony Fauci im März und April 2020 erhalten und selbst geschrieben hat. Die Zeitung bekam Zugang zu dem Schriftverkehr unter dem sogenannten Freedom of Information Act, einem Gesetz, das Zugang zu Dokumenten von staatlichen Behörden gewährleisten soll. Auch »BuzzFeed« liegen die E-Mails vor .

Im Frühjahr 2020 wurde das Ausmaß der Coronapandemie erst langsam bekannt, es herrschte noch viel Unsicherheit, gesicherte Fakten gab es nur wenige. Fauci gilt als Experte auf dem Gebiet, er ist Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten. Mit seinen ungeschminkten Einschätzungen zu der Pandemie hatte er immer wieder den Unmut des früheren Präsidenten Donald Trump auf sich gezogen.

In den nun veröffentlichten E-Mails  wird deutlich, wie chaotisch es zur Anfangszeit der Pandemie teils zuging. Fauci stand demnach unter anderem in Kontakt mit George Gao, einem chinesischen Gesundheitsexperten. Der hatte in einem Interview gesagt, die USA und andere westliche Staaten würden einen »großen Fehler« begehen, weil sie ihren Bürgern nicht dazu raten, Masken zu tragen. Per E-Mail entschuldigte sich Gao am 28. März bei Fauci. »Das war eine Journalisten-Formulierung. Ich hoffe, Sie verstehen das.« Woraufhin Fauci antwortete: »Das verstehe ich vollkommen. Kein Problem. Wir werden das gemeinsam durchstehen.«

»Ich hoffe, Ihnen geht es gut«

Später bekam Fauci Drohungen von Trump-Unterstützern, die ihm unter anderem vorwarfen, verantwortlich für Schulschließungen und die schlechte Wirtschaftsentwicklung in den USA zu sein. Für Gao war das Anlass, Fauci am 8. April erneut zu schreiben. »Ich habe ein paar News gesehen (ich hoffe, sie stimmen nicht), dass Sie von einigen Leuten attackiert werden. Ich hoffe, Ihnen geht es gut in einer so irrationalen Situation.«

Drei Tage später antwortete Fauci: »Danke für Ihre netten Worte. Es ist alles gut – trotz einiger verrückter Leute auf dieser Welt.«

Fauci bekam zahlreiche Anfragen von Organisationen, Politikern und Privatpersonen mit der Bitte um Rat oder Antworten, teils summierten sich die Nachrichten auf tausend am Tag. In den E-Mails sind mehrere Namen von Absendern sowie einige von Faucis Antworten geschwärzt. Zu den prominentesten Kontakten zählen zum Beispiel Bill Gates, Mark Zuckerberg und Morgan Freeman.

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Aus den E-Mails wird auch deutlich, dass Fauci der Kult um seine Person nicht geheuer war. Am 31. März schickte ein Kollege ihm einen Artikel mit der Überschrift »Fauci-Socken, Fauci-Donuts, Fauci-Fan-Kunst: Der Coronavirusexperte hat Kultstatus«. Woraufhin Fauci schrieb: »Wirklich surrealistisch. Hoffentlich hört das alles bald wieder auf.« Und: »Das ist überhaupt nicht angenehm, so viel steht fest.«

Einen Artikel, der sich mit der Sexualisierung von Fauci befasste, leitete er an einen unbekannten Adressaten weiter. Dazu schrieb er: »Das wird dich umhauen. Unsere Gesellschaft ist wirklich total verrückt.«

aar
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