Coronakrise Trumps wichtigster Berater bestätigt Bericht über Versäumnisse der US-Regierung

Die USA beklagen mehr als 22.000 Corona-Tote. Hatte die Trump-Regierung frühe Warnzeichen ignoriert? Eine entsprechende Recherche der "New York Times" bestätigte nun ein prominenter Experte.
Anthony Fauci und Donald Trump (l.): "Oft wird diese Empfehlung angenommen, manchmal nicht"

Anthony Fauci und Donald Trump (l.): "Oft wird diese Empfehlung angenommen, manchmal nicht"

Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

In den Vereinigten Staaten sind inzwischen mehr als 22.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Die Johns-Hopkins-Universität  in Baltimore verzeichnete bis zum Sonntagabend 22.073 Todesfälle, mehr als eine halbe Million Menschen sind infiziert. Das bedeutet 1514 Todesfälle innerhalb der vorherigen 24 Stunden. Die Zahlen sind rückläufig, am Samstag hatte die Universität noch 1920 Corona-Tote gezählt, am Freitag 2108. Die USA haben weiter die höchste absolute Zahl von Todesopfern weltweit.

Während sein Land gegen die Pandemie kämpft, bemüht sich Präsident Donald Trump von der eigenen Verantwortung für die aktuelle Lage abzulenken. Nun hat er sich erneut gegen Vorwürfe von Opposition und Medien gewehrt, frühe Warnungen vor dem Coronavirus ignoriert zu haben.

Er verstehe nicht, warum die Medien und die US-Demokraten ihn dann so heftig für die Einführung eines Einreiseverbots aus China kritisiert hätten, schrieb Trump am Sonntagabend (Ortszeit) auf Twitter und fügte hinzu: "Korrupte Medien!".

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Ranghohe Berater des Präsidenten hatten Medienberichten zufolge bereits Ende Januar vor einer Coronavirus-Pandemie gewarnt, in deren Folge Hunderttausende Amerikaner ums Leben kommen könnten. Trump selbst beteuerte noch bis Anfang März öffentlich, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge.

Die "New York Times" hatte zuletzt am Samstag über Trumps Vorgehen in der Anfangsphase der Coronakrise berichtet  und kritisiert, der Präsident habe "das Ausmaß des Risikos nur langsam zur Kenntnis genommen" und nicht rechtzeitig reagiert. Stattdessen habe er sich darauf konzentriert, die Wirtschaft zu schützen und Warnungen zurückzuweisen.

Berater Fauci: "Eine Menge Widerstand gegen einen solchen Schritt"

Diese Einschätzung teilt offenbar auch ein Mitglied von Trumps Expertenteam zur Eindämmung des Virus. Anthony Fauci, inzwischen in den US-Medien zum führenden Corona-Experten avanciert, war am Sonntag (Ortszeit) beim Sender CNN zugeschaltet . Von Moderator Jake Tapper gefragt, warum der Präsident trotz der internen Warnung nicht bereits im Februar, sondern erst Mitte März aktiv geworden war, sagte Fauci: "Wissen Sie, wir konzentrieren uns nur auf Gesundheitsfragen. Dann geben wir eine Empfehlung. Oft wird diese Empfehlung angenommen, manchmal nicht. Aber es ist, wie es ist. Wir stehen dort, wo wir nun einmal stehen."

Fauci, der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, weiter: "Wenn wir direkt am Anfang alles runtergefahren hätten, hätten wir nun ein etwas anderes Bild. Aber es gab damals eine Menge Widerstand gegen einen solchen Schritt."

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(Wie Trump die USA in den Corona-Kollaps treibt - Eine detaillierte Rekonstruktion des Versagens der Trump-Regierung finden Sie hier)

CNN lässt zudem einen weiteren, namentlich nicht genannten, Offiziellen der Trump-Administration zu Wort kommen. Demnach hätten die wichtigsten Gesundheitsexperten bereits in der dritten Februar-Woche dringend zum Social Distancing geraten. Dies deckt sich mit dem Bericht der "New York Times". Der erste Corona-Fall in den USA war am 20. Januar in Seattle entdeckt worden. Erst am 16. März veröffentlichte das Weiße Haus Richtlinien zum Social Distancing.

Während Trump jede Kritik an seinem Krisenmanagement barsch zurückweist, will er möglichst schnell eine Rückkehr zum Normalbetrieb erreichen. Voraussichtlich am Dienstag möchte er ein Expertengremium vorstellen, das darüber beraten soll.

Forderung von Experten und Gouverneuren: Das Land muss mehr testen

Es gibt jedoch Bedenken und Widerstände. Gesundheitsexperten fordern in der Debatte um einen Ausstieg aus den geltenden Beschränkungen breitere Tests in der Bevölkerung. Mehr als zwei Millionen Tests seien bisher im Land durchgeführt worden. Aber diese stünden nicht für alle zur Verfügung, die sie bräuchten, sagte Dr. Stephen Hahn von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) am Montag im Sender "ABC". "Wir müssen mehr tun, keine Frage."

Auch die Gouverneure von New York und New Jersey sowie der Bürgermeister von New York City plädierten für die Notwendigkeit umfassenderer Testreihen. Gouverneur Phil Murphy sagte, New Jersey könne nur symptomatische Patienten testen und brauche mehr Kits, um dem Virus immer einen Schritt voraus zu sein. Sein New Yorker Amtskollege Andrew Cuomo erklärte, man brauche mehr Tests, mehr Hilfe des Bundes und eine Strategie für die öffentliche Gesundheit, die mit einer Wirtschaftsstrategie im Einklang stünde.

jok/dpa/Reuters
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