Dreiergipfel in Lwiw Guterres, Selenskyj und Erdoğan sprechen – auch über Frieden?

Die Türkei konnte schon in Sachen Getreideverschiffung vermitteln. Bei einem Treffen mit dem Uno-Generalsekretär in Lwiw geht es nun um Handel, das AKW Saporischschja – und womöglich um diplomatische Wege aus dem Krieg.

In Lwiw in der westlichen Ukraine kommen morgen Uno-Generalsekretär António Guterres, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan zusammen. Auf dem Dreiergipfel werde unter anderem die »Beendigung des Krieges zwischen der Ukraine und Russland auf diplomatischem Wege erörtert«, hieß es in einer Stellungnahme des türkischen Präsidialamtes.

Laut Uno-Sprecher Stéphane Dujarric geht es zudem um die Schwarzmeer-Getreideinitiative, bei der die Türkei eine entscheidende Rolle spiele. Auch werde ein bilaterales Treffen Selenskyjs mit Guterres erwartet.

Die Uno und die Türkei hatten Ende Juli Vereinbarungen vermittelt, damit die Ukraine trotz des russischen Angriffskrieges wieder Getreide über ihre Schwarzmeerhäfen ausführen kann. Die Vereinten Nationen befürchteten Lebensmittelknappheit und Hunger in armen Teilen der Welt, wenn die Ukraine als ein wichtiger Getreidelieferant ausfällt.

Guterres verhandelt lieber hinter geschlossenen Türen

Dujarric sagte weiter, es gebe »keinen Zweifel« daran, dass auch die gefährliche Lage um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja und eine angepeilte internationale Expertenmission zu dem Kraftwerk angesprochen werde. Das von Russland besetzte größte Kernkraftwerk Europas wird seit Tagen beschossen. Die Ukraine und Russland machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Die Vereinten Nationen hatten sich bezüglich möglicher Gespräche mit Selenskyj über ein Ende der Kampfhandlungen deutlich zurückhaltender gezeigt. »Es gibt eine Reihe von Fragen, die angesprochen werden: der Konflikt im Allgemeinen, die Notwendigkeit einer politischen Lösung dieses Konflikts«, sagte Dujarric auf die Frage, ob auch über Verhandlungen für einen dauerhaften Waffenstillstand gesprochen werde. Guterres betont immer wieder, er sei ein Freund der stillen Diplomatie, die Wege aus einem Konflikt hinter geschlossenen Türen verhandelt.

Gespräche zwischen Kiew und Moskau in den ersten Kriegswochen waren ohne Ergebnis abgebrochen worden. Die Ukraine will ihre verlorenen Gebiete zurückerobern, um nicht Landsleute der Willkür der russischen Besatzung ausgesetzt zu lassen. Russlands Kriegsziele laufen weiter auf eine Unterwerfung der Ukraine hinaus.

Nach dem Treffen in Lwiw reise Guterres nach Odessa ans Schwarze Meer weiter, hieß es. Vor seiner Rückreise nach New York werde der Uno-Chef am Samstag in Istanbul das gemeinsame Koordinationszentrum zur Überwachung von Getreideexporten über das Schwarze Meer besuchen. Es blieb zunächst unklar, ob der Uno-Generalsekretär auch nach Kiew reist.

mgo/dpa
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