Neues Gesetz Argentiniens Senat stimmt für Legalisierung von Abtreibungen

In einer historischen Entscheidung macht Argentinien den Weg für legale Schwangerschaftsabbrüche frei. Im Heimatland von Papst Franziskus mussten Frauen bislang mit Haftstrafen rechnen.
Eine Demonstrantin wirbt in Buenos Aires für die Legalisierung von Abtreibungen (Archivbild vom 28. September 2020)

Eine Demonstrantin wirbt in Buenos Aires für die Legalisierung von Abtreibungen (Archivbild vom 28. September 2020)

Foto: Marcos Brindicci / Getty Images

In Argentinien sind Abtreibungen künftig legal. Der Senat stimmte mehrheitlich für den Gesetzesvorschlag von Präsident Alberto Fernández zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. 38 Senatoren stimmten am Mittwoch für eine Gesetzesreform, 29 dagegen, einer enthielt sich, wie die Senatspräsidentin und ehemalige Staatschefin Cristina Kirchner in Buenos Aires mitteilte. Argentinien ist damit das größte Land in Südamerika, in dem Abtreibungen nicht mehr verboten sind.

»Ich bin Katholik, aber ich muss Gesetze für alle machen«, hatte Fernández vor der Abstimmung das neue Gesetz begründet. Jedes Jahr würden 38.000 Frauen wegen Problemen bei illegalen Abtreibungen ins Krankenhaus eingeliefert, seit 1983 seien mehr als 3000 Frauen an den Folgen gestorben. Mit dem neuen Gesetz dürften Frauen nun bis zur 14. Schwangerschaftswoche abtreiben.

370.000 bis 520.000 illegale Abtreibungen jährlich

In dem südamerikanischen Land waren Schwangerschaftsabbrüche seit Anfang der Zwanzigerjahre verboten und wurden mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft. Ausnahmen waren nur nach Vergewaltigungen zulässig oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Die Regierung schätzt, dass in Argentinien jährlich 370.000 bis 520.000 Frauen illegale Abtreibungen vornehmen lassen.

Das Thema Schwangerschaftsabbruch sorgt im Heimatland von Papst Franziskus seit Jahren für heftige Debatten und Massendemonstrationen. Vor der Abstimmung im argentinischen Senat hatte sich der Papst gegen die Legalisierung ausgesprochen. »Der Sohn Gottes wurde als Ausgeschlossener geboren, um uns zu sagen, dass jeder ausgeschlossene Mensch ein Kind Gottes ist«, schrieb der Argentinier am Dienstag auf Twitter.

»Er kam in die Welt, wie ein Kind in die Welt kommt, schwach und zerbrechlich, sodass wir unsere Schwächen mit Zärtlichkeit aufnehmen können.« Beobachter werteten dies als einen der letzten Versuche der katholischen Kirche, Einfluss auf die Entscheidung über die Gesetzesinitiative zu nehmen.

mrc/dpa/AFP