Schwangerschaftsabbrüche in Arizona Abtreibungsklinik entwickelt neuen Weg für Patientinnen

Arzt im Nachbarstaat, Apotheke an der Grenze: Eine Abtreibungsklinik in Phoenix hat ein System entwickelt, mit dem Patientinnen leichter an ein in Arizona verbotenes Medikament kommen.
Menschen in Tucson, Arizona, demonstrieren für das Recht auf Abtreibung

Menschen in Tucson, Arizona, demonstrieren für das Recht auf Abtreibung

Foto: Sandy Huffaker / AFP

Seit knapp zwei Wochen sind Schwangerschaftsabbrüche im US-Bundesstaat Arizona nur noch möglich, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. In allen anderen Fällen, also auch bei Vergewaltigung oder Inzest, sind Abtreibungen verboten.

Eine Abtreibungsklinik in Phoenix hat nun ein System entwickelt, um Patientinnen den Zugang zu einem Medikament zu erleichtern, mit dem die Schwangerschaft beendet werden kann:

Nach einer Ultraschalluntersuchung in Arizona sollen die Patientinnen laut Camelback Family Planning einen Telemedizin-Termin bei einer kalifornischen Ärztin oder einem kalifornischem Arzt erhalten. Von dort aus soll das Medikament dann verschrieben und per Post in eine kalifornische Stadt geschickt werden, die an der Grenze zu Arizona liegt. Von dieser Grenzstadt könnten die Patientinnen die Pille abholen. Das alles soll kostenlos sein.

Klinik bietet selbst nur Ultraschall und Beratung an

Eine Krankenschwester in der Klinik sagte laut »Guardian« , dass Camelback Family Planning sich im Rahmen der in Arizona geltenden Gesetze bewege, da die Klinik selbst keine Abtreibungen vornehme, sondern lediglich Ultraschalluntersuchen und Beratungen anbiete. Die Kosten für die Pillen würden vom Abtreibungsfonds von Arizona übernommen, der Frauen dabei helfe, den Zugang zu Abtreibungen außerhalb des Staates zu bezahlen.

Bisher war der Weg, den die Pillen nach Arizona genommen haben, wesentlich länger: Ärzte in Schweden haben das Medikament verschrieben, bevor eine Apotheke in Indien sie per Post nach Arizona geschickt hat.

Bis Ende Juni sicherte eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 1973 das Recht auf Abtreibung. Schwangerschaftsabbrüche waren bundesweit mindestens bis zur Lebensfähigkeit des Fötus erlaubt. Dieses Urteil wurde von der rechten Mehrheit des Gerichts in einer historischen Entscheidung aufgehoben. Nun ist es in diversen Bundesstaaten nur noch in Ausnahmefällen möglich, einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen.

In Arizona wurde Ende September ein Gesetz von 1901 wieder in Kraft gesetzt, das Abtreibungen in fast allen Fällen verbietet. In Kalifornien sind Abtreibungen legal und gesetzlich geschützt.

svs
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