Treffen des Arktis-Rats Dänemarks Außenminister besorgt über russische Aufrüstung im Norden

Vor dem Treffen des Arktischen Rats bekräftigte Russland Ansprüche auf das Gebiet – andere Mitglieder reagierten alarmiert. Am Rande des Gipfels wollen sich der russische und der US-Außenminister erstmals treffen.
Russisches Schiff vor Spitzbergen (Archiv): Das Interesse an der Arktis wächst

Russisches Schiff vor Spitzbergen (Archiv): Das Interesse an der Arktis wächst

Foto: AFP

Dänemarks Außenminister Jeppe Kofod ist besorgt über die Aufrüstung Russlands in der Arktis. Angesichts »der neuen Sicherheitsdynamik« sei die »verstärkte Konzentration der Nato auf die Arktis und die nordatlantische Region« zu begrüßen, sagte er der »Neuen Osnabrücker Zeitung« vor dem Ministertreffen des Arktischen Rates.

»Russlands fortgesetzte militärische Aufrüstung in der Arktis ist besorgniserregend«, sagte Kofod. »Die arktischen Nato-Staaten haben eine besondere Rolle und Verantwortung, Stabilität und geringe Spannungen zu gewährleisten.« Auch Dänemark investiere verstärkt in seine Verteidigungskapazitäten in der Arktis und im Nordatlantik.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte vor Kurzem die Ansprüche Moskaus auf die Arktis bekräftigt. Er sprach in diesem Zusammenhang von »unserem Territorium« und »unserem Land«. Alles, was Russland dort militärisch unternehme, sei »legitim«.

Erste Begegnung Blinkens und Lawrows

Die Außenminister des Arktischen Rats kommen am Mittwoch in Islands Hauptstadt Reykjavík zusammen, um über die Entwicklung des umstrittenen Territoriums im Nordpolarmeer zu sprechen. Bei dem zweitägigen Treffen werden auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege Antony Blinken zu ihrer ersten persönlichen Begegnung erwartet.

Dabei soll es um »Schlüsselfragen der beidseitigen Beziehungen« gehen. Eine zu klärende Frage dabei ist nach Angaben des US-Außenministeriums, ob eine »stabilere und berechenbarere« Beziehung zu Russland geschaffen werden könne. Blinken hatte vor einer militärischen Aufrüstung am Nordpol gewarnt.

Dem Arktischen Rat gehören neben Russland und den USA, Kanada, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland und Island an. Das Gremium tagt alle zwei Jahre, um Umweltfragen und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region zu diskutieren. Auf dem diesjährigen Ministertreffen übernimmt Russland turnusmäßig den Vorsitz.

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Interesse an der Arktis wächst

Durch die Erderwärmung wird die Arktis immer besser erreichbar. Dadurch wächst das Interesse der Anrainerstaaten, aber auch Chinas , an der Region – wegen der strategischen Lage, der Schiffsrouten und wegen natürlicher Ressourcen. Schätzungen zufolge birgt die Arktis etwa 13 Prozent der unentdeckten Öl- und 30 Prozent der Erdgasreserven der Welt. Das Abschmelzen der Eisdecke erleichtert die Förderung zunehmend.

Das riesige Territorium erstreckt sich über 21 Millionen Quadratkilometer vom Nordpol bis zum Polarkreis. Die Lebensbedingungen sind extrem: Zeitweise fällt das Thermometer auf unter minus 50 Grad. Auf dem Höhepunkt des Winters sind 14 Millionen Quadratkilometer Ozean mit Eis bedeckt, im Sommer schmilzt es auf weniger als fünf Millionen Quadratkilometer.

Zudem ist die Arktis eine der letzten weitgehend unberührten Regionen der Welt. Sie beherbergt mehr als 20.000 bekannte Tier- und Pflanzenarten.

Klimawandel erleichtert Ölförderung –und bedroht Ökosystem

Doch das arktische Ökosystem ist in Gefahr : durch Fischerei, Verkehr, Tourismus, die Suche nach Rohstoffen und vor allem durch den Klimawandel.

Die Temperatur in der Arktis stieg seit den Neunzigerjahren doppelt so schnell wie im Weltdurchschnitt. 2019 erlebte die Region das zweitheißeste Jahr seit 1900, und im vergangenen Jahr schmolz so viel Eis wie nie zuvor. Während das Abtauen des arktischen Packeises keinen Einfluss auf den Meeresspiegel hat, würde ein vollständiges Abschmelzen des riesigen grönländischen Eisschildes das Meeresniveau um sieben Meter steigen lassen.

ire/AFP/dpa
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