Konflikt im Kaukasus Armenien meldet Dutzende getötete Soldaten bei Kämpfen mit Aserbaidschan

Der Konflikt im Kaukasus eskaliert: Bei Kämpfen im Grenzgebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan sind nach Angaben des armenischen Regierungschefs mindestens 49 armenische Soldaten getötet worden.
Der armenische Präsident Paschinjan im Gespräch mit einem Offizier (Aufnahme vom Mai 2021)

Der armenische Präsident Paschinjan im Gespräch mit einem Offizier (Aufnahme vom Mai 2021)

Foto: Tigran Mehrabyan / dpa

Aserbaidschanische Truppen haben armenischen Angaben zufolge am Dienstag einen Vorstoß nach Armenien versucht. »Der Feind versucht, vorzustoßen«, erklärte das Verteidigungsministerium in Eriwan. Die aserbaidschanische Armee setze Artillerie und Drohnen gegen militärische und zivile Ziele nahe der Grenze ein. Bei Kämpfen im Grenzgebiet wurden laut Angaben des armenischen Regierungschefs Nikol Paschinjan mindestens 49 armenische Soldaten getötet. Die Opferzahl werde vermutlich noch steigen, sagte Paschinjan im Parlament in Eriwan.

Armeniens Verteidigungsministerium warf laut russischen Nachrichtenagenturen Aserbaidschan eine »groß angelegte Provokation« vor, auf die man entsprechend reagiert habe. Aserbaidschans Verteidigungsministerium behauptete, mehrere Stellungen seiner Streitkräfte seien von der armenischen Armee beschossen worden. »Es gibt personelle Verluste und Schäden an der militärischen Infrastruktur.«

Paschinjan forderte nach Angaben seines Büros in Telefonaten mit US-Außenminister Antony Blinken, Russlands Staatschef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine »angemessene Reaktion der internationalen Gemeinschaft« auf das Vorgehen Aserbaidschans. In einem Telefongespräch hätten Armeniens Verteidigungsminister Suren Papikjan und der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu beschlossen, die »notwendigen Maßnahmen zur Stabilisierung der Lage« zu ergreifen, erklärte die Regierung in Eriwan.

Die türkische Regierung wiederum rief Armenien auf, seine »Provokationen« gegen Aserbaidschan einzustellen und »sich auf Friedensverhandlungen und Zusammenarbeit« mit Baku zu konzentrieren.

Am Vormittag hatten sich zwar aserbaidschanischen Medien zufolge beide Seiten auf eine Feuerpause verständigt. Doch nur kurz nach Inkrafttreten sei gegen die Vereinbarung wieder verstoßen worden.

Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken streiten seit Jahrzehnten um die Kaukasusregion Bergkarabach. Völkerrechtlich gehört das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Gebiet zu Aserbaidschan, von dem es sich aber 1991 losgesagt hatte. Der Konflikt hatte 2020 zu einem Krieg geführt, der nach sechs Wochen mit von Russland vermittelter Waffenruhe beendet wurde.

Im April 2022 hatten beide Länder erklärt, bei Friedensgesprächen nach dem Krieg in Bergkarabach einen Friedensvertrag unter Vermittlung der EU aushandeln zu wollen. Armenischen Angaben zufolge sollte auch eine Kommission eingerichtet werden, die sich mit Fragen der Sicherheit und Stabilität entlang der Grenze beschäftigen soll. Die aktuellen Attacken gelten nicht der umkämpften Region Bergkarabach. Die Attacken trafen armenischen Angaben zufolge Stellungen bei den Städten Goris, Sotk und Dschermuk. Diese liegen auf dem Gebiet Armeniens in der Nähe der Grenze zu Aserbaidschan.

Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version des Artikels hatte den aktuellen Gewaltausbruch in Bergkarabach verortet. Tatsächlich meldet Armenien aserbaidschanische Angriffe im Grenzgebiet außerhalb der umkämpften Region. Wir haben die Stellen entsprechend angepasst.

als/Reuters/AFP/dpa
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