Bergkarabach-Konflikt Armeniens Regierungschef will Sohn gegen Kriegsgefangene eintauschen

Armenien wirft Aserbaidschan vor, nach dem Krieg um Bergkarabach noch immer Soldaten gefangen zu halten. Ministerpräsident Nikol Paschinjan hat nun einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht.
Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan

Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan

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Tigran Mehrabyan / dpa

Beim Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien im Herbst 2020 starben mehr als 6000 Menschen. Seit November herrscht ein Waffenstillstand, doch noch immer gibt es heftige Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern. Armenien wirft Aserbaidschan vor, trotz mehrerer Austausche nicht alle Kriegsgefangenen freigelassen zu haben.

Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hat Aserbaidschan nun seinen Sohn im Austausch gegen alle armenischen Kriegsgefangenen angeboten. Er habe die entsprechenden Gremien beauftragt, seinen Vorschlag offiziell zu übermitteln, sagte der 46-Jährige der Agentur »Armenpress« zufolge. »Verstehen Sie mich nicht falsch: Das ist nicht das einzige Werkzeug, um das Problem zu lösen.«

Paschinjan hat vier Kinder. Sein Sohn Ashot ist Anfang 20. Er schrieb bei Facebook , er sei bereit für den Austausch. 2018 und 2020 hatte er sich freiwillig für den Wehrdienst in Bergkarabach gemeldet.

Politische Krise in Armenien

Wie viele Gefangene derzeit noch in der Gewalt Aserbaidschans sind, ist unklar. Aserbaidschan erklärt, seine Verpflichtungen entsprechend einem Abkommen erfüllt zu haben. Allerdings fielen diejenigen Gefangenen nicht unter diese Vereinbarung, die Armenien nach dem Ende der Kämpfe in »Gebiete von Aserbaidschan geschickt« habe, hieß es.

In dem Krieg vom 27. September bis 9. November 2020 um die Region Bergkarabach hatte sich Aserbaidschan weite Teile des Anfang der Neunzigerjahre verlorenen Gebiets zurückgeholt.

Der Krieg hatte in Armenien eine politische Krise ausgelöst. Die Opposition hatte bei Massenprotesten Paschinjans Rücktritt und Neuwahlen gefordert. In anderthalb Wochen, am 20. Juni, will sich der 46-Jährige bei einer vorgezogenen Parlamentswahl im Amt bestätigen lassen. Zuletzt gab es an der Grenze zwischen beiden Ländern neue Spannungen.

lau/dpa
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