Gefechte mit Aserbeidschan Armenien bittet Russland um Hilfe

Dutzende armenische Soldaten sollen bei Angriffen aus Aserbaidschan getötet worden sein. Die Schutzmacht Russland und die EU setzen auf eine diplomatische Lösung. Die USA fordern Baku auf, »die Feindseligkeiten einzustellen«.
Nikol Paschinjan: Wegen der angespannten Lage telefonierte Armeniens Ministerpräsident bereits in der Nacht mit Wladimir Putin

Nikol Paschinjan: Wegen der angespannten Lage telefonierte Armeniens Ministerpräsident bereits in der Nacht mit Wladimir Putin

Foto: Armenian Goverment Press Service / Handout / EPA

Die angespannte Lage im Südkaukasus löst international Besorgnis aus. Aus verschiedenen Richtungen kommen Forderungen, den Konflikt zu deeskalieren. Eine vereinbarte Feuerpause scheint brüchig.

Bei den neuen schweren Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan sind auf armenischer Seite offiziellen Angaben zufolge mindestens 49 Soldaten getötet worden. Das seien keine endgültigen Zahlen, sagte Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan am Dienstag in der Hauptstadt Eriwan. Die in der Nacht zwischen den beiden verfeinden Ex-Sowjetrepubliken ausgebrochenen Gefechte gingen auch am Tag vereinzelt weiter.

Aus Eriwan hieß es, aserbaidschanische Truppen hätten an drei Stellen armenische Stellungen mit Artillerie und großkalibrigen Waffen angegriffen. In Baku sprach das Verteidigungsministerium Aserbaidschans wiederum davon, dass ein groß angelegter armenischer Sabotageversuch die Kämpfe ausgelöst habe. Mittlerweile hat auch das Verteidigungsministerium in Baku Todeszahlen veröffentlicht. Demnach seien 50 aserbaidschanische Soldaten bei den jüngsten gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet worden.

Stellungen auf dem Kerngebiet Armeniens angegriffen

Armenien und Aserbaidschan bekriegen einander seit Jahrzehnten wegen des Gebiets Bergkarabach. Im Herbst 2020 hatte Armenien einen Krieg gegen seinen Nachbarn verloren. Infolgedessen musste das Land die Kontrolle über den Großteil des mehrheitlich von Armeniern bewohnten Berg-Karabachs aufgeben. Damals wurde eine russische Friedenstruppe zum Schutz der Waffenruhe in der Region stationiert. Allerdings wurde laut armenischen Angaben diesmal nicht die Exklave angegriffen, sondern Stellungen auf dem Kerngebiet Armeniens.

Wegen der angespannten Lage telefonierte Paschinjan bereits in der Nacht mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Dabei habe der Regierungschef um Hilfe der Militärallianz OVKS gebeten, teilte das armenische Fernsehen mit. Der OVKS müsse zu »aktiven kollektiven Handlungen« übergehen, forderte später auch das armenische Außenministerium.

Russland gilt traditionell als Schutzmacht Armeniens im Kaukasus. Aus dem Kreml hieß es allerdings, Moskau zähle auf eine diplomatische Lösung der Krise. Die russische Führung hat derzeit kein Interesse, sich an einem – aus Moskauer Sicht – Nebenkriegsschauplatz militärisch zu engagieren. Russland ist wegen des seit einem halben Jahr laufenden Angriffskriegs in der Ukraine dort gebunden. Zuletzt mussten die russischen Streitkräfte im Nachbarland eine empfindliche Niederlage einstecken. 

EU fordert Verhandlungen von Baku und Eriwan

Auch die EU forderte Eriwan und Baku zu Verhandlungen auf. EU-Ratschef Charles Michel hat angesichts der schweren Kämpfe zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts aufgerufen. Es brauche einen vollständigen und dauerhaften Waffenstillstand, schrieb der Belgier am auf Twitter. »Es gibt keine Alternative zu Frieden und Stabilität – und es gibt keine Alternative zur Diplomatie, um dies zu gewährleisten.« Michel nannte die Berichte über Kämpfe extrem besorgniserregend.

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Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell teilte mit, dass Michel Kontakt zu den Staats- und Regierungschefs der beiden Länder aufnehme. Auch er rief zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Die EU sei entschlossen, weiter zu vermitteln. Der EU-Sonderbeauftragte Toivo Klaar werde unverzüglich in beide Länder reisen.

US-Außenminister Antony Blinken hat angesichts der militärischen Eskalation zwischen Armenien und Aserbaidschan ebenfalls zu einem Ende der Kämpfe aufgerufen. Blinken habe den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev in einem Gespräch aufgefordert, »die Feindseligkeiten einzustellen«, teilte das US-Außenministerium mit.

Die USA würden auf ein Friedensabkommen zwischen den beiden Ländern drängen. Blinken habe in dem Gespräch mit Aliyev außerdem seine »tiefe Besorgnis« zum Ausdruck gebracht.

Neben der OSZE bot sich zudem der im Süden an Armenien und Aserbaidschan grenzende Iran als Vermittler in dem Konflikt an. Die Türkei – Verbündete Aserbaidschans – wiederum warf Armenien »Provokationen« vor. Eriwan solle sich auf Friedensverhandlungen mit Baku konzentrieren, schrieb der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu auf Twitter.

asc/dpa
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