Russischer Außenminister auf Asean-Gipfel Lawrow schimpft über Vorgehen des Westens in Südostasien

Die USA und die Nato versuchen, die Asien-Pazifik-Region »zu schlucken«. So zumindest sieht es Moskau. Eine gemeinsame Gipfelerklärung sei indes einzig an einer »inakzeptablen Sprache« zur Lage in der Ukraine gescheitert.
Foto: IMAGO/SNA

Kurz vor dem G20-Gipfel in Indonesien hat der russische Außenminister Sergej Lawrow den USA und der Nato vorgeworfen, eine Vormachtstellung in der Asien-Pazifik-Region einnehmen zu wollen, indem sie diese militarisierten.

»Die USA und ihre Verbündeten sowie die Nato versuchen jetzt, diese Region zu schlucken«, sagte Lawrow nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass am Rande des Gipfels der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean. Ziel sei die Militarisierung der Region, »mit dem offensichtlichen Fokus darauf, China und die russischen Interessen in der Region einzugrenzen«, betonte er in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh.

Russland bemüht sich um engere wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische Beziehungen zu Asien, seit der Westen Moskau als Reaktion auf die Invasion in der Ukraine mit beispiellosen Sanktionen belegt hat. Die Asien-Pazifik-Region betrachten sowohl Moskau als auch der Westen als potenzielles geopolitisches Konfliktfeld für die kommenden Jahrzehnte.

Streitigkeiten über den Wortlaut zur Ukraine

Eine gemeinsame Abschlusserklärung des Gipfels sei an Streitigkeiten über den Wortlaut zur Situation in der Ukraine gescheitert, sagte Lawrow weiter. »Heute wurden keine kollektiven Entscheidungen getroffen, weil die USA und ihre westlichen Verbündeten auf einer absolut inakzeptablen Sprache in Bezug auf die Lage in und um die Ukraine bestanden haben.«

Lawrow dürfte mit seinen Äußerungen auch den Ton für eine Konfrontation zwischen Russland und westlichen Staats- und Regierungschefs auf dem G20-Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer auf Bali am Dienstag und Mittwoch vorgeben. Er wird dort die russische Delegation leiten – bei dem ersten Treffen dieser Art seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar. Präsident Wladimir Putin nimmt nach russischen Angaben nicht teil. Dagegen will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Videoansprache an das Treffen im Ferienort Nusa Dua richten. Beim Asean-Treffen in Kambodscha konnten sich die zehn Mitgliedsländer hingegen nicht auf eine Videoansprache Selenskyjs einigen.

Russland will nicht über Sicherheitsthemen reden

Auf Bali wird die Lage in der Ukraine die Tagesordnung dominieren, da die westlichen Staats- und Regierungschefs Russland wegen des Einmarschs in die Ukraine öffentlich zur Rede stellen und China und Indien zur Kritik an Moskaus Vorgehen drängen wollen.

Russland indes fordert vor dem anstehenden G20-Gipfel, mehr über soziale und wirtschaftliche Probleme als die Sicherheitslage auf der Welt zu reden. Dies seien eher relevante Themen für die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), hieß es in einer Mitteilung des russischen Außenministeriums. Viele Staaten wollten aber über Krieg und Frieden reden, was nicht angebracht sei. »Das wäre ein Eingriff in das Mandat des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen.« Bei den G20-Beratungen würde dies die Atmosphäre stören und eine Zusammenarbeit erschweren.

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sak/dpa
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