Attentat auf Shinzō Abe Chinas Staatschef Xi kondoliert Japan

Als Regierungschef bemühte sich Shinzō Abe um eine Annäherung Japans an China. Nach seiner Ermordung hat der chinesische Präsident Xi Jinping nun Japan sein Beileid ausgesprochen – trotz aktueller Streitigkeiten.
Gesprächspartner Shinzō Abe, Xi Jinping (2018): »Zutiefst empfundenes Beileid«

Gesprächspartner Shinzō Abe, Xi Jinping (2018): »Zutiefst empfundenes Beileid«

Foto: Xie Huanchi / picture alliance / dpa

Nach dem tödlichen Attentat auf den früheren japanischen Regierungschef Shinzō Abe  hat der chinesische Präsident Xi Jinping dem Land kondoliert. »Im Namen der chinesischen Regierung und des chinesischen Volkes und in seinem eigenen Namen hat Xi Jinping zutiefst empfundenes Beileid über den vorzeitigen Tod des früheren Regierungschefs Shinzō Abe ausgesprochen«, berichtete der chinesische Staatssender CCTV am Samstag.

Der Präsident kondolierte demnach auch Abes Familie. Xi sei »zutiefst betrübt« über den Tod des Ex-Regierungschefs. Japans und Chinas Verhältnis gilt als angespannt. Zuletzt gab es wiederholte Grenzstreitigkeiten bezüglich der japanischen Senkaku-Inseln sowie wegen Chinas Gasbohrungen im ostchinesischen Meer. Abe bemühte sich während seiner Zeit als Regierungschef jedoch um eine wirtschaftliche und politische Annäherung an den großen Nachbarstaat.

Leichnam nach Tokio überführt

Abes Leichnam ist indes nach Tokio überführt worden. Ein Leichenwagen traf am Samstag an Abes Anwesen in der japanischen Hauptstadt ein, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Fernsehaufnahmen zeigten, wie sich hochrangige Mitglieder von Abes liberaldemokratischer Partei LPD versammelten, um dem Ex-Ministerpräsidenten die letzte Ehre zu erweisen.

Am Montagabend wird laut japanischen Medien eine Totenwache für den früheren Regierungschef abgehalten. Sein Begräbnis soll demnach am Dienstag im engsten Kreis stattfinden.

Abe war am Freitag während einer Rede bei einer Wahlkampfveranstaltung in der westjapanischen Stadt Nara niedergeschossen und wenige Stunden später im Krankenhaus für tot erklärt worden. Bei dem Täter handelt es sich laut Polizei um einen 41-jährigen Arbeitslosen, der die Tat offenbar mit einer selbst gebauten Waffe beging.

Der Mann hat die Tat gestanden und gab laut Polizei an, dass er »einen Groll gegen eine bestimmte Organisation hege« und glaube, Abe habe eine Verbindung zu ihr gehabt. Den Namen der Organisation nannte die Polizei nicht. Japanischen Medien zufolge soll es sich um eine religiöse Gruppe handeln.

Wahlkampf wird fortgesetzt

Der wegen des Attentats unterbrochene Wahlkampf für die Wahlen zum Oberhaus des Parlaments wurde am Samstagmorgen wieder aufgenommen. Regierungschef Fumio Kishida absolvierte in der zentraljapanischen Region Yamanashi seine erste Wahlkampfveranstaltung seit dem Attentat. Sie fand laut der Zeitung »Yomiuri Shimbun« unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt, ein Metallzaun trennte den Regierungschef von der Menge.

»Wir dürfen auf keinen Fall dulden, dass während einer Wahl Gewalt eingesetzt wird, um die Meinungsäußerung zu unterdrücken«, begründete Kishida laut dem Bericht die Wiederaufnahme des Wahlkampfs.

Das Attentat auf Abe hatte weltweit für Entsetzen und Betroffenheit gesorgt. Abe war zunächst von 2006 bis 2007 und dann von 2012 bis 2020 Regierungschef Japans. Er war damit Japans Ministerpräsident mit der längsten Regierungszeit.

muk/AFP
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