Gewalttaten in Afghanistan Australischer Elitesoldat darf als Mörder bezeichnet werden
Ex-Soldat Ben Roberts-Smith, hier 2021 auf dem Weg zum Gericht in Sydney
Foto: Rick Rycroft / APEr ist einer der höchstdekorierten Soldaten Australiens – nun gilt er Teilen der Öffentlichkeit auch als erwiesener Mörder. Ben Roberts-Smith war Unteroffizier im australischen Eliteregiment Special Air Services (SAS) und soll als solcher laut Medienberichten mehrere Morde in Afghanistan begangen haben. Roberts-Smith bestritt die Taten und zog mit einer Verleumdungsklage vor das Bundesgericht in Sydney.
Das Gericht wies die Klage nun in einem spektakulären Urteil ab. Die Begründung: Die Zeitungen hätten viele ihrer Behauptungen als »im Wesentlichen wahr« untermauert.
Beinprothese als Bierkrug
Roberts-Smith hatte den »Sydney Morning Herald«, »The Age« und die »Canberra Times« wegen 2018 veröffentlichter Berichte verklagt. In den Artikeln wurde seine Beteiligung an der rechtswidrigen Tötung von sechs unbewaffneten Gefangenen in Afghanistan thematisiert.
Der Ex-Militär behauptete dagegen, er sei zu Unrecht als jemand dargestellt worden, der gegen die moralischen und rechtlichen Regeln des militärischen Einsatzes verstoßen habe.
Die Zeitungen konnten vier der sechs Mordvorwürfe beweisen. In einem Fall soll Roberts-Smith einen gefesselten Mann eine Klippe herunter getreten haben. In einem anderen habe er einen Afghanen mit Beinprothese getötet. Die Prothese habe er nach Australien überführt und Soldaten ermutigt, daraus Bier zu trinken.
Roberts-Smith sei »gefühllos und unmenschlich«, sagte Bundesrichter Anthony Besanko nach Einsicht in die Beweise der Zeitungen. »Angesichts meiner Schlussfolgerungen muss jedes Verleumdungsverfahren abgewiesen werden«, urteilte er.
Nationalheld mit Mordvorwurf
Der 44-jährige Roberts-Smith galt als Nationalheld, nachdem er für seine Einsätze während sechs Afghanistan-Touren von 2006 bis 2012 mehrere höchste militärische Auszeichnungen, darunter das Victoria-Kreuz, erhalten hatte. Sein Porträt hängt im Australian War Memorial.
Mit dem Urteil muss sich der Soldat nun gefallen lassen, als Mörder bezeichnet werden zu können. Ein verurteilter Mörder ist er jedoch nicht. Roberts-Smith wurden keine Straftaten vorgeworfen.
Das Urteil ist dennoch ein Meilenstein. Es stellt einen Sieg für die Medienunternehmen dar, die eine stärkere Rechenschaftspflicht für das australische Militär anstreben, das normalerweise an Vertraulichkeit gebunden ist.
Die Eliteeinheit SAS steht seit Längerem wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Kritik. Insgesamt 39 afghanische Zivilisten und Gefangene sollen getötet worden sein, lautete etwa der Befund eines internen Militär-Untersuchungsberichts im Jahr 2020. Im März wurde nun erstmals ein 41 Jahre alter Veteran im Bundesstaat New South Wales festgenommen. Er wird wegen Mordes an einem Afghanen angeklagt.