Konservativer Premier räumt Niederlage ein Labor-Partei hat die Wahl in Australien gewonnen

Die Sozialdemokraten unter Anthony Albanese haben in Australien die Wahl gewonnen. Erstmals seit zehn Jahren werden sie die Regierung anführen. Amtsinhaber Scott Morrison tritt als Vorsitzender seiner Partei zurück.
Wahlgewinn für den bisherigen Oppositionsführer Anthony Albanese

Wahlgewinn für den bisherigen Oppositionsführer Anthony Albanese

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JAIMI JOY / REUTERS

Die sozialdemokratische Labor-Partei unter dem bisherigen Oppositionsführer Anthony Albanese hat nach Hochrechnungen die Parlamentswahl in Australien gewonnen. Labor werde mindestens eine Minderheitsregierung bilden können, möglicherweise werde es auch für eine Mehrheitsregierung reichen, hieß es. Labor war in Australien seit fast zehn Jahren nicht mehr an der Macht.

Premier Scott Morrison gestand seine Niederlage ein. Er habe seinem Nachfolger bereits zum Sieg gratuliert, sagte er in einer Fernsehansprache.

Den vorläufigen Berechnungen zufolge kann die Partei mit mindestens 71 Sitzen im Unterhaus rechnen. Die Mehrheit liegt bei 76 Sitzen. Die rechtskonservative Koalition unter Premierminister Scott Morrison lag zunächst nur bei 49 Sitzen.

Grüne schneiden überraschend gut ab

Dass es möglicherweise nicht zu einer Mehrheitsregierung reicht, liegt auch daran, dass viele unabhängige Kandidaten und die australischen Grünen (The Greens) offenbar überraschend gut abschneiden.

Rund 17 Millionen Wahlberechtigte waren dazu aufgerufen, über alle 151 Sitze im Unterhaus und die Hälfte der 78 Sitze im Senat zu entscheiden. In Australien herrscht Wahlpflicht. Berichten zufolge hat etwa die Hälfte der Australier schon im Vorfeld entweder per Briefwahl oder per frühzeitiger Stimmabgabe gewählt. Die 2,7 Millionen Briefwahlstimmen wurden am Samstag noch nicht ausgezählt.

In den Umfragen hatte Labor lange deutlich vor der konservativen Partei gelegen, in den letzten Tagen vor der Wahl war ihr Vorsprung jedoch geschrumpft.

Als wichtigste Themen im Wahlkampf galten die Wirtschaftslage und die Klimakrise. Die Labor-Partei hatte sich für höhere Löhne ausgesprochen.

Viele Konservative leugnen den Klimawandel

Viele Australier sehen auch die Klimakrise als enormes Problem, vor allem nach den jüngsten verheerenden Überschwemmungen an der Ostküste. Das Land leidet seit Jahren zudem unter schweren Buschbränden und Dürren, die Korallenbleiche und das Baumsterben sind weitere Probleme. Der konservative Premier Morrison ist ein Unterstützer der einflussreichen Kohleindustrie. Viele Mitglieder seiner Liberal Party gelten als Leugner des Klimawandels.

Die Coronapandemie spielte im Wahlkampf eine untergeordnete Rolle, obwohl die Fallzahlen weiter hoch sind und das Land am Freitag mehr als 50.000 Neuinfektionen verzeichnete.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Meldung nach dem Pressestatement des konservativen Amtsinhabers Scott Morrison aktualisiert.

jlk/dpa