Kohlegigant Australien Opposition verreißt Premier Morrisons Klimaziele als unrealistisch

Australiens Premier Scott Morrison will den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 auf null reduzieren – aber an Bergbau und Schwerindustrie festhalten. Die Opposition spricht bereits von »Betrug«.
Australiens Premier Scott Morrison

Australiens Premier Scott Morrison

Foto: DEAN LEWINS / EPA

Australien ist der zweitgrößte Kohleexporteur der Welt, aber trotzdem hat Premierminister Scott Morrison angekündigt, die CO₂-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf null zu bringen. Gesetzlich festschreiben will der Regierungschef das aber nicht. Darauf verständigte sich Morrison mit dem Koalitionspartner NPA. Die Nationale Partei Australiens ist ein Befürworter der Kohleindustrie und erhält im Gegenzug einen weiteren Posten im Kabinett. Morrison sprach sich am Montag denn auch für einen Erhalt von Bergbau und Schwerindustrie aus.

Morrison kündigte seinen Plan kurz vor Beginn des Weltklimagipfels COP an, der in Glasgow stattfindet. Er will im kommenden Jahr wiedergewählt werden. Laut einer neuen Umfrage droht ihm eine Niederlage. Während die Landbevölkerung Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen ablehnt, fordern andere Teile der Bevölkerung mehr Klima- und Umweltschutz. Die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen bis 2030 gilt Experten zufolge als entscheidend, um rechtzeitig gegen die Klimakrise vorzugehen.

Opposition spricht von »Betrug«

Die Opposition kritisierte die Ankündigung des Premiers massiv. »Das Wort Plan stellt keinen Plan dar, egal wie oft man es sagt«, wetterte Labourchef Anthony Albanese. Morrison habe nur die »Stimmung« einer Klimapolitik skizziert, die keine neuen Verpflichtungen habe. Labour bezeichnete den Vorschlag von Morrison als »Betrug«, dem es an Substanz mangele, und kritisierte die Regierung für ihre Entscheidung, keine Details des Abkommens mit der NPA zu veröffentlichen. Der australische Thinktank des Klimarats nannte die Ankündigung Morrisons einen »Witz«.

Erreicht werden soll das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 unter anderem durch eine Senkung der Kosten für Wasserstoff und »ultra-günstige« Solarenergie und Langzeitspeicher. »Wir sind Spitzenreiter in der Welt, was Solarstrom betrifft«, sagte Energieminister Angus Taylor. Ein Viertel aller Häuser beziehe seinen Strom bereits aus Sonnenenergie. »Kein anderes Land ist auf diesem Level.«

Die anvisierten Reduktionsziele bis 2030 würden aber nicht weiter verschärft, so Morrison weiter. Diese sehen vor, die Emissionen bis dahin um 26 bis 28 Prozent gegenüber den Werten von 2005 zu senken. Die neuesten Prognosen zeigten, dass Australien auf dem besten Weg sei, die Emissionen bis 2030 sogar um 30 bis 35 Prozent zu senken, hieß es.

Bei der COP in Glasgow soll besprochen werden, wie das 2015 in Paris formulierte Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreicht werden kann. Dazu sollten alle Länder Aktionspläne auflegen. Allerdings fehlen von zahlreichen Staaten noch die Vorhaben oder sie gehen nicht weit genug.

Morrison hatte wochenlang offen gelassen, ob er überhaupt zum Klimagipfel fahren würde und erst Mitte Oktober seine Teilnahme bestätigt.

als/Reuters/dpa